Von Karlhorst Klotz
Über zehn Jahre lang hat Tim Kehoe wie besessen Seifenlösungen mit allen Farbstoffen gemischt, die er ergattern konnte. Er hat in seiner Küche gerührt, geschüttelt, gepantscht - und unzählige Rückschläge erlebt. Doch nun ist er der Gewinner des "Best of What's New 2005"-Preises des US-Magazins "Popular Science". "Viele Chemiker haben mir all die Jahre gesagt, dass das nicht funktionieren kann", erinnert sich Kehoe. "Es endlich doch zu schaffen, ist sehr befriedigend."
Sein Traum: Seifenblasen, die farbig sind. Na und, nörgelt da schon jedes Kind, Seifenblasen schillern doch sowieso in allen Farben des Regenbogens. Genau - die neuen Zubbles aber nicht. Im Sonnenlicht glänzen sie in nur einer einzigen Farbe, zum Beispiel in sattem Dunkelblau. Oder sie schweben in Lindgrün, Gelb, Orange oder gar in Halloween-tauglichem Schwarz daher.
Ursprünglich glaubte auch der amerikanische Erfinder noch, dass es nicht so schwer sein könne, mit etwas Lebensmittelfarbe oder Tinte die transparenten Leichtgewichte in bunte Flugobjekte zu verwandeln. Doch weit gefehlt: So manche Substanz verblasst in der Seifenlösung recht schnell. Andere Stoffe überleben zwar den Angriff der Reinigungsmittel, halten aber nur im Reagenzglas zusammen. In der hauchdünnen Wasserwand einer Seifenblase finden die Farbstoffe dagegen keinen Halt und sinken rasch zum unteren Pol der Kugel, während der obere Teil des luftigen Gebildes durchsichtig wird.
Doch nach Hunderten von Fehlversuchen im Heimlabor, teils mit ätzenden oder giftigen Stoffen, schwebte vor Jahren die erste rundum farbige Seifenblase durch die Küche der Kehoes - leider nur ein kurzer Triumph für den rastlosen Erfinder. Denn mit jeder Blase platzte auch die Begeisterung am prächtigen Farbenspiel, weil es hässliche Farbkleckse hinterlässt.
Der Schrecken aller Mütter
Der Bubble-Fanatiker aus Minnesota musste einsehen, dass der Farbstoff sich nur so wunderbar gleichmäßig in der Seifenblase verteilt, weil er das Wasser scheut. Er tummelt sich daher lieber an der Oberfläche des Films, wenigstens solange das feuchte Wunder durch den Raum gleitet. Wenn die Blase mit fast unhörbarem "Plopp" ihr Leben aushaucht, rächt sich jedoch die Abneigung zwischen Farbstoff und Wasser: Die Farbe haftet zum Entsetzen aller Mütter prima an fast jeder Oberfläche und lässt sich von Händen, Möbeln und Kleidung kaum mehr abwischen.
Ein Dilemma, das unüberwindbar schien: Je brillanter die Blasen, desto schmutziger die Wohnung. Und als Kehoe nach vielen Fehlversuchen endlich einen Zusatz gefunden hatte, der Seifenblasen färbte und dennoch abwaschbar war, bestand er den Praxistest nicht: Wenn Eltern ihre Kinder von der Geburtsparty abholen, wollen sie ihren Nachwuchs nicht erst vom Scheitel bis zur Sohle von Farbspritzern befreien.
Kehoes Küchenchemie war an diesem Punkt am Ende. Erst der promovierte indisch-stämmige Farbstoffspezialist Ram Sabnis schaffte mit professioneller Akribie den Durchbruch. Sein Beitrag sind Substanzen, in denen sich die Farbe praktisch an- und ausknipsen lässt. Verantwortlich dafür ist ein Ringmolekül, das sich öffnet und schließt. Der offene Ring schluckt alles Licht bis auf die gewünschte Farbe, der geschlossene Ring lässt alles Licht durch - die Substanz ist in diesem (stabilen) Zustand durchsichtig. Ähnlich wie magische Tinte scheint der von Sabnis ersonnene Farbstoff daher unter bestimmten Umständen völlig zu verschwinden: Wenn er beispielsweise mit Luft oder Wasser in Berührung kommt oder wenn man daran reibt.
Sind Zubbles auch gesund?
Weil Sabnis die Ringstruktur variieren kann, indem er unterschiedliche Molekülgruppen anflanscht, wird es die Seifenblasen in unterschiedlichen Farbtönen geben. Sie kommen voraussichtlich im Frühjahr zunächst in den USA in den Handel. Ob die Zubbles zum Hit im Kinderzimmer werden, muss sich trotz der Euphorie des Herstellers Ascadia erst noch zeigen.
Der Geschäftsführer des deutschen Traditionsherstellers Pustefix jedenfalls zeigte sich vom Durchbruch jenseits des Atlantiks überrascht. "Anfragen nach einfarbigen Seifenblasen kamen bei uns weniger von Kindern als aus dem künstlerischen Bereich", so Frank W. Hein auf Nachfrage. Unklar sei auch, ob die neuen Farbstoffe den europäischen Normen für Kinderspielzeug entsprächen. "Die USA haben strenge Vorschriften, aber mit abweichenden Schwerpunkten", gibt Hein zu bedenken.
Jedenfalls kann die Chemie der veränderlichen Farben, die Ram Sabnis mittlerweile in der Startup-Firma C2C Technologies vorantreibt, das Tor zu völlig neuen Anwendungen aufstoßen, egal ob in der Industrie, Forschung oder im Alltag. Würden Sie gern einmal Ihr Wohnzimmer in Pastell streichen, sind aber nicht sicher, ob der Farbton auf der Wandfläche zu zart oder zu heftig wirkt? Dann pinseln Sie künftig vielleicht das Gemäuer zur Probe einfach mit der vergänglichen Farbe an, von der schon ein paar Stunden später nichts mehr zu sehen ist.
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