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30.11.2005
 

Frankreich

Ärzte verpflanzten erstmals Gesicht einer Toten

Französische Chirurgen haben bei der weltweit ersten großflächigen Gesichtstransplantation Nase, Lippen und Kinn einer Hirntoten verpflanzt. Die Empfängerin war von einem Hund gebissen worden. Sie befindet sich laut den Ärzten in einem sehr guten Zustand.

Lyon - Die Operation, die am Montag im nordfranzösischen Amiens vollzogen wurde, sei eine Weltpremiere gewesen, sagte der Chirurg Jean-Michel Dubernard. Es sei noch unklar, wann die Frau, die anonym bleiben will, die Klinik verlassen könne. Das verpflanzten Gewebe sähe normal aus. Voraussichtlich werde aber erst zum Ende der Woche deutlich werden, ob der Körper der 38-Jährigen das Spendermaterial akzeptiere oder trotz der medikamentösen Behandlung abstoße.

Die Patientin aus Valenciennes (Nordfrankreich) war im Mai von einem Hund angefallen worden. Das Tier biss ihr den Mund und einen Teil der Nase ab. Am Sonntag wurde in der Universitätsklinik Lille der untere Teil des Gesichts eines hirntoten Spenders entnommen. Am Montag wurde das Gewebe in der Form eines großes Dreiecks dann verpflanzt. "Es ging um Gewebeverbünde - Haut, Unterhautgewebe, kleine Gesichtsmuskeln und arterielle und venöse Elemente", berichtete ein Beobachter. Ein plastischer Chirurg habe die entnommenen Teile vor der Transplantation auf einem Gesichtsmodell getestet, um sicher zu stellen, dass sie der Morphologie des Empfängers entsprechen.

In der Vergangenheit hatten Mediziner bereits Kopfhaut und Ohren verpflanzt, den Angaben des französischen Krankenhauses zufolge aber noch nie Mund und Nase. Das sei mit herkömmlichen chirurgischen Methoden "extrem schwierig, wenn nicht unmöglich", erklärten die Chirurgen.

Der französische Nationale Ethikrat CCNE hatte sich im vergangenen Jahr skeptisch zu Gesichtstransplantationen geäußert. Eine Totaltransplantation habe wenig Sinn. Die Transplantation der Nase-Mund-Partie gehöre noch in den Bereich der Forschung und sei ein sehr risikoreiches Experiment, erklärte der CCNE damals.

Der behandelnde Arzt Dubernard hatte nach zahlreichen Transplantationen von Nieren und Bauchspeicheldrüsen bereits im Jahr 1998 die weltweit erste Handverpflanzung und 2000 die erste Verpflanzung von Hand und Unterarmen vorgenommen.

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