Bislang galt die Rot-Grün-Farbenblindheit als Nachteil. Etwa sechs Prozent aller Männer und ein geringerer Anteil aller Frauen leiden unter der Krankheit, deren Ursache eine Mutation auf dem X-Chromosom ist. Die Betroffenen können Rot und Grün schlechter als Normalsichtige unterscheiden.
Doch möglicherweise ist die Rot-Grün-Sehschwäche kein Irrweg, sondern eine List der Evolution. Wissenschaftler der University of Cambridge und der University of Newcastle haben bei Tests mit Betroffenen nämlich herausgefunden, dass die Farbenblindheit auch Vorteile hat.
"Wir haben untersucht, welche Stimuli Menschen mit der Rot-Grün-Sehschwäche unterscheiden können", sagte Gabriele Jordan aus Newcastle der Website "Nature News". Schließlich habe man 15 Brauntöne gefunden, schreiben die Wissenschaftler im Fachblatt "Current Biology". Sie testeten Karten mit den Farben bei Normalsichtigen und bei Personen mit der Sehschwäche.
Das Ergebnis: Normalsichtige konnten die Brauntöne kaum auseinander halten, während Farbenblinde damit weniger Probleme hatten. "Das ist eine faszinierende Erkenntnis", sagte David Simmons, Experte für visuelle Wahrnehmung an der University of Glasgow. "Es wäre interessant herauszufinden, wie es den Menschen in einer eher natürlichen Umgebung ergeht."
Simmons glaubt, dass das Gen der Rot-Grün-Sehschwäche einst einen evolutionären Vorteil gehabt haben muss, weil es relativ verbreitet ist. Möglicherweise, so seine These, konnten Menschen damit Nahrung besser erkennen, etwa zwischen Gras oder Blättern.
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