Montréal - Nach zweiwöchigen Beratungen beschlossen die Delegierten heute auf der Vollversammlung, für die Zeit nach 2012 sollten weitere Vereinbarungen zur Verringerung der Treibhausgas-Emissionen ausgehandelt werden. Die Einigung wurde auch von den USA akzeptiert, die das Kyoto-Protokoll nicht ratifiziert haben.
Bis zuletzt wurde jedoch um Verfahrenseinwände Russlands und die grundsätzliche Weigerung der USA gerungen, sich auf Grenzwerte für die Emissionen festzulegen. Russland hatte das Kyoto-Protokoll im November 2004 ratifiziert und damit ermöglicht, dass es im Februar 2005 in Kraft getreten ist. Innerhalb des Kremls gibt es jedoch weiterhin starke Vorbehalte gegen das Protokoll. Einige Russen befürchten, das Wirtschaftswachstum des Staates könne langfristig durch das Kyoto-Protokoll beeinträchtigt werden.
Die USA, die das Klimaschutzprotokoll boykottieren, lehnen verbindliche Festlegungen zur Reduktion der Treibhausgas-Emissionen auch für die Zeit nach 2012 ab. Sie wollten nur einer Abschlusserklärung ohne konkrete Zielvorgaben zustimmen. Umweltminister Gabriel sagte heute im Deutschlandfunk, auf Dauer würden sich die USA in dieser Frage nicht isolieren wollen. Viele Menschen aus Politik und Wirtschaft dächten in dieser Beziehung anders als die Regierung Bush. Gabriel forderte eine stärkere Integration der Entwicklungs- und Schwellenländer in den Kyoto-Prozess. Er zeigte sich optimistisch, dass es bis 2009 gelingen werde, neue internationale Klimaschutzziele zu vereinbaren.
Kanada als Gastgeberland schlug letzlich einen Kompromiss vor, in dem keine festen Ziele benannt und keine konkreten Maßnahmen zur Reduzierung der Emissionen vorgeschrieben werden. Vielmehr sollen in den beiden kommenden Jahren Arbeitsgruppen eingesetzt werden, die sich mit Möglichkeiten zu einer langfristigen Reduzierung der Emissionen beschäftigen.
Rund 10.000 Delegierte aus 189 Ländern hatten zwei Wochen lang über Maßnahmen gegen die Erderwärmung und die Verlängerung des Kyoto-Protokolls beraten. Das Abkommen legt weltweit gültige Obergrenzen für den Ausstoß von Treibhausgasen fest, die für den Klimawandel verantwortlich gemacht werden. Nicht daran beteiligt sind die USA, Australien, China und Indien. Kenia will die nächste Weltklimakonferenz im kommenden Jahr in seiner Hauptstadt Nairobi ausrichten.
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