• Drucken
  • Senden
  • Feedback
21.12.2005
 

Herzleiden

Feinstaub schon in kleinen Mengen schädlich

Feinstaub kann offenbar schon in geringen Konzentrationen Herzleiden verursachen. In Experimenten fanden Mediziner Hinweise darauf, dass das Risiko selbst dann steigt, wenn derzeit gültige Feinstaub-Grenzwerte eingehalten werden.

In einer Langzeitstudie ließen Wissenschaftler 28 Mäuse mehrere Monate lang regelmäßig verschmutzte Luft einatmen. Die durchschnittliche Menge an so genannten PM-2,5-Staubpartikeln, deren Größe weniger als zweieinhalb Tausendstel Millimeter beträgt, lag unterhalb der in den USA geltenden Grenzwerte.

Feinstaub-Messung: Risiko von Herzleiden steigt schnell
Zur Großansicht
DDP

Feinstaub-Messung: Risiko von Herzleiden steigt schnell

Dennoch bildeten sich in den Blutgefäßen der Tiere deutlich mehr Ablagerungen als bei Mäusen, die staubfreie Luft einatmen konnten, schreiben die Forscher um Lung Chi Chen von der New York University im Fachblatt "Journal of the American Medical Association" (Bd. 294, S. 3003). Die Ablagerungen führen zu arteriosklerotischen Verengungen der Gefäße, die wesentlich zur Entstehung von Herzerkrankungen beitragen. Bislang war unklar, wie genau solche Krankheiten durch verschmutzte Atemluft ausgelöst werden können.

Die gesundheitsschädigende Wirkung von Staubpartikeln in der Luft hängt neben ihrer Zusammensetzung auch von ihrer Größe ab, wobei PM-2,5 aufgrund der geringen Teilchengröße als besonders gefährlich gelten. In der EU gelten für Teilchen dieser Größe bislang noch keine Grenzwerte, wohl aber in den USA. Die durchschnittliche Jahresmenge darf dort 15 Tausendstel Gramm pro Kubikmeter Luft nicht überschreiten.

Diesen Grenzwert hatten die Forscher bei ihrer Studie an Mäusen eingehalten: An fünf Tagen in der Woche atmeten die Tiere mehrere Stunden lang Luft ein, deren Staubkonzentration typisch für New York, aber noch gesetzlich erlaubt ist. Nach sechs Monaten waren die Arterien der Tiere zu 19 Prozent mit Ablagerungen gefüllt. Bei einer Kontrollgruppe, die nur staubfreie Luft eingeatmet hatte, lag der Wert dagegen bei 13 Prozent.

Deutlicher war der Effekt bei Tieren, die anstelle normalen Futters während der gesamten Studiendauer sehr fettreiche Nahrung bekommen hatten: Deren Arterien waren zu über 41 Prozent verstopft, wenn die Tiere wiederholt Schmutzpartikel eingeatmet hatten, und zu etwa 26 Prozent unter staubfreien Bedingungen.

Die verschmutzte Luft verringerte aber nicht nur den Durchmesser der Blutgefäße, sondern machte zusätzlich deren Wände weniger elastisch, wie Messungen ergaben. Dadurch steigt das Risiko für Bluthochdruck - ein weiterer Faktor, der bei Herzerkrankungen eine Rolle spielt. Auch in diesem Fall war der Effekt besonders bei jenen Tieren ausgeprägt, deren Futter viel Fett enthielt.

Dass offensichtlich auch wiederholte kurze Aufenthalte in mit Feinstaub belasteter Luft das Risiko für Herzerkrankungen steigern können, auch wenn im Durchschnitt die zulässigen Höchstwerte eingehalten werden, sollte nach Ansicht der Forscher bei der Festlegung solcher Grenzwerte berücksichtigt werden.

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
alles aus der Rubrik Mensch

© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP