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06.01.2006
 

Mittelamerika

Älteste Schriftzeichen der Maya entdeckt

Die Schriftkultur der Maya ist offenbar älter als bisher angenommen. Die Ureinwohner Mittelamerikas benutzten schon vor etwa 2300 Jahren Hieroglyphen, wie ein Fund in Guatemala nahelegt.

Zehn Schriftzeichen, mit dicken schwarzen Linien auf weißen Gips gemalt, sollen das älteste bekannte schriftliche Zeugnis der Maya-Kultur sein. Eine feine, rosa-orange Linie soll als Orientierung beim Schreiben gedient haben, berichten Wissenschaftler im Fachblatt "Science". Der Mauerrest stamme aus einer Pyramide im Dschungel von Guatemala, wo ihn der guatemaltekische Archäologe Boris Beltran durch Zufall entdeckte.

Stein aus königlicher Gruft: Früheste bekannte Maya-Schriftzeichen
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REUTERS

Stein aus königlicher Gruft: Früheste bekannte Maya-Schriftzeichen

Zwischen 200 und 300 vor Christus sollen die Hieroglyphen gemalt worden sein. Das ist die Zeit, in der auch die frühesten anderswo in Mesoamerika gefundenen Schriften entstanden sind. Schriften aus der Maya-Region der vorklassischen Zeit sind selten und schwierig zu datieren, schreibt das Entdeckerteam um William Saturno. Die meisten anderen Zeugnisse stammten von tragbaren Objekten, die illegal ausgegraben worden seien.

Die wahrscheinlich früheste bekannte Maya-Inschrift stamme aus der Zeit um das Jahr 100 vor Christus. Eine Inschrift auf einem Monument aus El Portón in Guatemala könne zwar aus dem zweiten oder dritten vorchristlichen Jahrhundert stammen, räumen die Forscher ein. Doch basiere diese Altersangabe auf einer einzelnen Radiokarbon-Analyse, die nicht in direktem Zusammenhang mit dem beschrifteten Stein stehe.

Der größte Teil der Schriftzeichen auf dem jetzt entdeckten Stein lasse sich nicht entziffern, so die Forscher. Aber ein Zeichen wollen sie erkannt haben: Eine frühe Version von "Ajaw", dem Maya-Wort für "Führer". Die Zeichen seien vermutlich das Ende eines längeren Textes und unterschieden sich deutlich von den bisher bekannten Maja-Schriftzeichen. Einige seien Piktrogrammen ähnlich. Eines der Zeichen könne eine Hand zeigen, die eine Bürste hält, spekulieren die Wissenschaftler. Andere, abstraktere Bilder bewerten sie als Vorläufer der Elemente der späteren Maya-Schrift. Sie umfasst 800 Zeichen, von denen erst die Hälfte entschlüsselt ist.

"Lange haben wir darauf gehofft, ein beschriebenes Steindenkmal aus dieser Periode der Maya zu finden", sagt Mary Miller, Maya-Expertin an der Yale University. "Das ist, als hätten wir Bilder von Jesus am Kreuz gefunden, aus der Zeit, als er noch lebte."

Das Archäologen-Team sieht eine Ähnlichkeit zu Texten benachbarter Völker während der vorklassischen und frühen klassischen Zeit. "Die Entstehungsgeschichte der mesoamerikanischen Schriften ist mit dieser Entdeckung nicht geklärt", sagt Saturno. Aber die Funde zeigten, "dass die ganze Geschichte noch nicht erzählt ist".

Die Forscher um Saturno hatten erst im vergangenen Monat für Schlagzeilen gesorgt, als sie die Entdeckung des bisher ältesten Wandbilds der Maya bekannt gaben. Sie hatten das Kunstwerk, das 100 Jahre vor Christi Geburt entstanden sein soll, am selben Ort gefunden wie den beschrifteten Stein.

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