Vogelgrippe
WHO bestätigt H5N1-Todesfälle in der Türkei
Aus dem Verdacht wurde Gewissheit: Zwei der an Vogelgrippe gestorbenen Kinder in der Türkei sind nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) dem gefährlichen H5N1-Virus zum Opfer gefallen.
Das von der WHO beauftragte Labor in Großbritannien habe dies bestätigt, teilte die Organisation am Samstag mit. Ein 14 Jahre alter Junge war am Sonntag im Krankenhaus Van im Osten der Türkei an der Vogelgrippe gestorben. Seine 15 Jahre alte Schwester erlag der Krankheit am Mittwoch. Proben eines verstorbenen dritten Geschwisterkindes sowie eines erkrankten sechsjährigen Bruders würden noch auf den Virustyp untersucht, hieß es. Mit dem Nachweis des H5N1-Virus bei den beiden türkischen Geschwistern wurde der gefährliche Erreger zum ersten Mal bei Menschen außerhalb Südostasiens festgestellt, wo es schon mehr als 70 Todesfälle gab.
REUTERS
Vogelgrippe-Bekämpfung: Im Osten der Türkei wird alles Geflügel eingesammelt und gekeult
Die türkischen Gesundheitsbehörden meldeten unterdessen zwei weitere Verdachtsfälle aus demselben Krankenhaus in Van. Ein sechsjähriger Junge und ein achtjähriges Mädchen seien bei ersten Untersuchungen positiv auf das Vogelgrippe-Virus getestet worden. Ihr Zustand sei kritisch.
Die WHO untersucht laut Sprecherin Cheng noch, ob die Krankheit womöglich von Mensch zu Mensch übertragen wurde. Der türkische Gesundheitsminister Recep Akdag erklärte allerdings, seine Behörden gingen derzeit nicht davon aus.
In Istanbul wurde eine siebenköpfige Familie mit Verdacht auf Vogelgrippe in eine Klinik eingeliefert. Die Familie war aus der Osttürkei in die westliche Stadt Yalova gereist und alle Mitglieder hatten dort offenbar Grippe-Symptome entwickelt. Sie wurden in ein Krankenhaus in Istanbul eingeliefert. Die Menschen gaben an, sie seien krank geworden, nachdem sie im Osten des Landes ein erkranktes Huhn verspeist hatten. Fünf der Betroffenen sind Kinder.
Insgesamt ist die Zahl der Verdachtsfälle in der Türkei bis Samstag auf 32 gestiegen. Allein in Van liegen 19 Kranke mit Verdacht auf Vogelgrippe im Krankenhaus, fünf in Diyarbakir und sieben in Istanbul. Die Regierung verbot bis auf weiteres landesweit die Jagd auf Vögel. Zur Begründung hieß es, das Virus habe sich auf mehrere Städte ausgeweitet.
In der Ortschaft Dagdalen nahe Dogubayazit, dem Heimatort der drei gestorbenen Geschwister, forderten Bewohner vor einem Gebäude des Landwirtschaftsministeriums Hilfe bei der Tötung ihrer Hühner. "Wir haben kranke Hühner, wir können sie nicht anfassen", sagte Ortsvorsteher Hasan Celik. "Niemand kommt."
Die Vogelgrippe
Die Vogelgrippe, auch als Aviäre Influenza bekannt, ist eine hochansteckende Viruskrankheit und befällt vor allem Hühner und Puten, aber auch Wildvögel, Fasane und Perlhühner. Der Virusstamm H5N1 ist eine besonders aggressive Variante, die bei 80 bis 100 Prozent der erkrankten Tiere innerhalb weniger Tage zum Tod führt. In seltenen Fällen können sich auch Menschen anstecken. Weltweit wurden bisher über 300 solcher Fälle festgestellt, die meisten in Asien. Fast 200 Menschen starben. Die meisten hatten beruflich mit Geflügel zu tun.
Übertragen wird die Seuche von Tier zu Tier durch direkte Berührung, über Kot, Speichel und Tränenflüssigkeit oder über Kontakt mit infiziertem Material wie Transportkisten oder Eierkartons. Bei starker Staubentwicklung ist auch eine indirekte Ansteckung über die Luft möglich.
Die Zeit von der Infektion bis zum Ausbruch der Krankheit beträgt meist 3 bis 14 Tage. Oft treten hohes Fieber, Atemwegsprobleme, Schwarzfärbung von Kamm und Kehllappen, Mattigkeit, Fressunlust, verminderte Legeleistung und Durchfall auf. Die Tiere können aber auch plötzlich tot umfallen oder ersticken.
Forscher sind besorgt, dass H5N1 mutieren könnte, bis es von Mensch zu Mensch übertragbar ist. Neuere Forschungsergebnisse bestätigen diese Befürchtung: Der Subtyp H1N1, der von 1918 bis 1920 als Spanische Grippe grassierte und bis zu 50 Millionen Tote forderte, war ein reines Vogelvirus, das sich an den Menschen angepasst hat. Denkbar ist auch eine Doppelinfektion eines Menschen oder eines Schweins mit menschlichen und tierischen Erregern. Dabei könnte sich eine Virus-Variante bilden, die eine verheerende weltweite Seuche - eine sogenannte Pandemie - auslösen könnte.
Zwei Medikamente können Menschen im unwahrscheinlichen Fall einer H5N1-Infektion helfen: Die antiviralen Medikamente Tamiflu (Roche) und Relenza (GlaxoSmithKline). Tamiflu gibt es als Tablette oder Saft, Relenza als Pulver, das inhaliert wird. Sie werden auch Neuraminidase-Hemmer genannt. Neuraminidase ist eine Eiweißstruktur an der Virushülle. Wird diese Struktur von den Medikamenten blockiert, können neu gebildete Influenza-Viren die Wirtszelle nicht mehr verlassen und sich daher nicht weiter im Körper ausbreiten. Die deutschen Bundesländer haben 2006 beschlossen, mehr als acht Millionen Dosen beider Medikamente als Vorsichtsmaßnahme kaufen. Sie sollen die Monate zwischen einem Pandemie-Ausbruch und der Entwicklung eines Impfstoffs überbrücken.
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