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24.01.2006
 

Brandenburg

Plastinator verspricht 200 Arbeitsplätze

Gunther von Hagens will in der brandenburgischen Stadt Guben binnen fünf Jahren 200 Arbeitsplätze schaffen. In einer ehemaligen Fabrik sollen Scheiben aus plastinierten Leichen produziert werden - und viele Einwohner sind begeistert.

Frankfurt an der Oder - Auf der Bühne des Sportzentrums in Guben zelebriert Gunther von Hagens seine Ein-Mann-Show. Im bekannten Outfit mit Weste und schwarzem, breitkrempigem Hut spricht er am Montagabend vor etwa 500 Zuhörern in der dicht gefüllten Sporthalle über die Geschichte der Plastination und über seine Ansiedlungspläne. 30 Mitarbeiter seiner Institute in Heidelberg und China hat er mitgebracht, auch mehrere Körperspender, wie er sagt. Doch Hagens kommt ohne Unterstützung aus. Das Publikum hat er ohnehin hinter sich. Am Ende heben bei einer spontanen Abstimmung, ob er seine Fabrik in Guben bauen soll, rund vier Fünftel der Zuhörer die Hand.

"Ja, ich komme nach Guben. Ich sehe, ich bin hier willkommen", ruft der Plastinator dem frenetisch applaudierenden Publikum zu. Die Gegner seiner Ansiedlungspläne sind an diesem Abend in der Minderheit, schütteln entsetzt die Köpfe. Denn das Projekt ist in der Stadt äußerst umstritten. Die Kirche und die PDS haben sich gegen die Ansiedlung ausgesprochen. Die Kritiker fürchten, dass Guben als "Stadt der Leichen" bekannt wird. Die Befürworter setzen dagegen auf neue Arbeitsplätze in der strukturschwachen Region an der polnischen Grenze.

So verkündet Hagens, dass er baldmöglichst in der rund 25.000 Einwohner zählenden Stadt mit der Fertigung dünner, plastinierter Körperscheiben anfangen wolle. Die Technologie sei bereit und könne sofort eingesetzt werden, sagt der 61-Jährige. Als Standort kommen ein seit Jahren leerstehender Fabrikkomplex und das Gebäude der Stadtverwaltung in Frage, die im Sommer umziehen will. "Ich hoffe sehr, dass wir ins Rathaus einziehen dürfen und es dafür eine politische Mehrheit gibt", sagt von Hagens. Dann würden schon in der zweiten Jahreshälfte die ersten Arbeitskräfte eingestellt. Eine Sanierung der Fabrikgebäude würde dagegen länger dauern.

"Ich wünsche mir, innerhalb von fünf Jahren 200 Arbeitsplätze zu schaffen", sagt er. Garantieren könne er das aber nicht. Dennoch weiß er, was sein Publikum hören will: "Hier werden sicherlich mehr deutsche als polnische Mitbürger beschäftigt sein." Die plastinierten Scheiben, die in Guben produziert werden sollen, seien im Übrigen nicht für die "Körperwelten"-Ausstellungen bestimmt, sondern allein für die Medizin. Es gebe in diesem Bereich einen riesigen Bedarf. Die Präparate würden den Ruf von Guben in die Welt tragen, dass hier etwas für die Anatomie produziert werde, ruft von Hagens seinen Kritikern entgegen.

"Sie tun sich hier als Anatom auf oder als wissenschaftlicher Jesus, aber das sind Sie nicht", sagt ein Mann aus dem Publikum, der von der Menge niedergebuht wird. Ein anderer ruft: "Bleiben Sie doch in Heidelberg!" Der bestens auf alle Einwände vorbereitete Hagens entgegnet: "Ich kenne die DDR und bin einer von Ihnen." Er sei in Thüringen aufgewachsen, und ihm stünden die Menschen in den neuen Bundesländern sehr nah.

Für die Kosten eines vergleichbaren Gebäudes in Heidelberg könne er in Guben die volle Produktion aufbauen, sagt Hagens. Die Präparierung menschlicher Körper werde in China verbleiben. Aber natürlich würden auch in Guben für die Herstellung plastinierter Körperscheiben Leichen gebraucht. Es gebe bereits eine Liste mit 6500 freiwilligen Spendern.

Ein Mann im Publikum erinnert Hagens an den ersten Satz des Grundgesetzes, demzufolge die Würde des Menschen unantastbar sei. "Die Leiche selbst hat keine Würde, sie ist ein Objekt", entgegnet der Plastinator. Eine Würde habe allein der Verstorbene. "Ich kann aus einer Leiche ein Objekt der Aufklärung machen, das gibt ihr Würde", argumentiert er. Er wolle später selbst einmal als Plastinat in den "Körperwelten"-Ausstellungen stehen. Ein älterer Mann im Publikum steht auf und fragt, wie auch er Spender werden könne.

Jörg Schreiber, ddp

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