Dass sogenannte leichte Zigaretten meist nur in der Theorie leicht sind, gilt schon länger als ausgemacht: Raucher ziehen an den vermeintlich weniger gesundheitsschädlichen Glimmstengeln stärker - was dazu führt, dass sie mehr Teer und Nikotin inhalieren, als die Hersteller auf den Verpackungen angeben.
Kanadische Forscher werfen zwei Tabakkonzernen nun vor, diesen Effekt zur Täuschung ihrer Kunden eingesetzt zu haben. David Hammond von der University of Waterloo in Kanada und seine Kollegen haben interne Dokumente des Konzerns British American Tobacco (BAT) und seiner kanadischen Tochtergesellschaft Imperial Tobacco Canada Limited analysiert. Sie beweisen den Forschern zufolge, dass die Firmen gezielt Zigaretten hergestellt haben, die in standardisierten Testmaschinen besonders niedrige Teer- und Nikotinwerte erreichen.
Diese Produkte habe man in der Werbung dann als weniger gesundheitsschädlich angepriesen - obwohl die Hersteller aus eigenen Studien gewusst hätten, dass die Raucher wesentlich höhere Schadstoffwerte abbekommen als von den Maschinen gemessen, schreiben die Wissenschaftler im Fachblatt "The Lancet".
"Die internen Dokumente beschreiben eine Strategie, diese Diskrepanz durch Produktdesign zu maximieren", heißt es in der Studie. Der BAT-Konzern, der in Deutschland die Marken Pall Mall, Lucky Strike und HB verkauft, habe Zigaretten entwickelt, die im Test besonders wenig Schadstoffe abgeben. Die Forscher sprechen von Zigaretten, "die ihre Konsumenten und die Prüfer dahingehend täuschten, dass sie glaubten, diese Produkte seien sicherer oder weniger gefährlich, was sie aber nicht waren".
Im Zentrum der Kritik steht der Rauchtest mit Maschinen, die den Vorgaben der International Standards Organization (ISO) entsprechen. Teresa La Thangue, Pressesprecherin von BAT in London, verwies auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE darauf, dass viele Regierungen Angaben nach dem ISO-Rauchtest verlangten. Die Kompensation durch tiefere Züge sei ein seit langem bekanntes Phänomen.
Die Messung mit der ISO-Maschine sei "keine akkurate Messmethode für menschliches Rauchen", erklärte La Thangue. Die Industrie arbeite mit staatlichen Stellen bei der Entwicklung eines neuen Verfahrens zusammen. Hammond hatte den ISO-Standard als "Werkzeug zur Irreführung" bezeichnet.
Auf den Vorwurf, die Diskrepanz zwischen gemessenen und tatsächlich von Rauchern eingenommenen Schadstoffmengen bewusst in die Höhe getrieben zu haben, ging BAT nicht ein. Die Forscher betonen, die Tabakkonzerne verfolgten diese Strategie bis heute.
stx/dpa
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