H5N1 in Afrika
Vogelgrippe in Nigeria ausgebrochen
Die Vogelgrippe ist in Afrika angekommen. Im Blut toter Hühner aus dem Norden Nigerias haben Wissenschaftler das gefährliche H5N1-Virus nachgewiesen. Zehntausende Vögel sind bereits verendet, große Bestände sollen gekeult werden.
In Nigeria wurde erstmals das auch für den Menschen gefährliche Vogelgrippe-Virus H5N1 nachgewiesen. Die Behörden des westafrikanischen Landes haben einen Ausbruch in einem Geflügel-Großbetrieb und mehrere Verdachtsfälle an anderen Orten gemeldet, teilte die Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) in Paris mit. Ein Referenzlabor im italienischen Padua habe den H5N1-Erreger nachgewiesen.
AP
Geflügel in Nigeria: Vogelgrippe erstmals in Afrika nachgewiesen
Die Regierung Nigerias kündigte an, alle befallenen Hühner zu töten und eine Quarantäne über die betroffenen Höfe zu verhängen. Es ist die erste bestätigte Meldung eines Vogelgrippe-Ausbruchs auf dem afrikanischen Kontinent.
Der Ausbruch war in Käfigbeständen im Bundesstaat Kaduna im Norden Nigerias festgestellt worden. Mehrere Zehntausend Vögel sind dort in den vergangenen Tagen verendet. Die Behörden hätten bereits mit der Keulung von Tierbeständen begonnen, Quarantäne über die betroffenen Gebiete verhängt und Kontrollen von Tiertransporten angekündigt. Ein Expertenteam der OIE werde die Situation vor Ort erkunden und die nigerianischen Behörden bei der Bekämpfung der Tierseuche unterstützen.
Augenzeugen in der Stadt Kaduna berichteten von Geflügelhändlern, die versuchten, Hühner für weniger als die Hälfte des normalen Preises zu verkaufen. Ein Sprecher des Landwirtschaftsministeriums sagte, Experten seien in verschiedene Teile des Landes geschickt worden, um sich ein Bild von der Lage zu machen.
Angst vor Seuche in Entwicklungsländern
In Nigeria werden viele Menschen nach ihrem Tod ohne formelle ärztliche Untersuchung beigesetzt, was das Erkennen von neuen Seuchen erschwert. Auch als reine Tierseuche könnte die Vogelgrippe verheerende Folgen für Nigeria haben. Millionen Menschen halten Hühner in Hinterhöfen.
SPIEGEL ONLINE
Nigeria in Westafrika: Betroffene Provinzen
Besonders in Entwicklungsländern fürchten Experten sich vor der Ausbreitung der Vogelgrippe. Anders als viele der bislang betroffenen asiatischen Länder sind staatliche Strukturen in weiten Teilen Afrikas nur schwach ausgeprägt. Nigeria ist das bevölkerungsreichste Land des Kontinents.
Uno-Generalsekretär Kofi Annan betonte die Gefahr einer Ausbreitung der Vogelgrippe in Afrika. "Ich komme selbst aus Ghana, einem Land, wo Familien mit ihren Tieren, Kinder mit Hühnern harmonisch zusammenleben", sagte er. Dieser jahrhundertealte Lebensstil sei nun durch den Ausbruch der Vogelgrippe bedroht. "Es wird hart sein, aber wir müssen dieses Zusammenleben anders gestalten."
Laut Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist der Geflügelbestand in Nigeria rund 140 Millionen Tiere groß. Das veterinärmedizinische System des Landes sei überfordert und brauche Hilfe. Anderen afrikanischen Ländern riet die WHO, schnell gegen vermutete Ausbrüche der Seuche vorzugehen.
"Wenn die Situation in Nigeria außer Kontrolle gerät, wird das verheerende Auswirkungen auf die Geflügelpopulation in der Region haben, die Lebensgrundlage vieler Familien ernsthaft beschädigen und auch Menschen dem Virus aussetzen", sagte Samuel Jutzi, zuständig für Tierproduktion und -gesundheit bei der Ernährungs- und Agrar-Unterorganisation (FAO) der Vereinten Nationen.
Die OIE sammelt als internationales Tierseuchenamt die offiziellen Meldungen über Seuchenausbrüche in ihren 167 Mitgliedstaaten. Das Referenzlabor in Padua, das den H5N1-Erreger in den Proben aus Nigeria identifiziert, ist auf solche Fälle spezialisiert, teilte das Bundesministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE mit.
Eine Gefahr, der Vogelgrippe-Ausbruch in Nigeria könne unmittelbare Folgen für Deutschland oder Europa haben, bestehe nicht. Die Einfuhr von nigerianischen Geflügelprodukten in die EU sei bereits seit längerem verboten.
Die Vogelgrippe
Die Vogelgrippe, auch als Aviäre Influenza bekannt, ist eine hochansteckende Viruskrankheit und befällt vor allem Hühner und Puten, aber auch Wildvögel, Fasane und Perlhühner. Der Virusstamm H5N1 ist eine besonders aggressive Variante, die bei 80 bis 100 Prozent der erkrankten Tiere innerhalb weniger Tage zum Tod führt. In seltenen Fällen können sich auch Menschen anstecken. Weltweit wurden bisher über 300 solcher Fälle festgestellt, die meisten in Asien. Fast 200 Menschen starben. Die meisten hatten beruflich mit Geflügel zu tun.
Übertragen wird die Seuche von Tier zu Tier durch direkte Berührung, über Kot, Speichel und Tränenflüssigkeit oder über Kontakt mit infiziertem Material wie Transportkisten oder Eierkartons. Bei starker Staubentwicklung ist auch eine indirekte Ansteckung über die Luft möglich.
Die Zeit von der Infektion bis zum Ausbruch der Krankheit beträgt meist 3 bis 14 Tage. Oft treten hohes Fieber, Atemwegsprobleme, Schwarzfärbung von Kamm und Kehllappen, Mattigkeit, Fressunlust, verminderte Legeleistung und Durchfall auf. Die Tiere können aber auch plötzlich tot umfallen oder ersticken.
Forscher sind besorgt, dass H5N1 mutieren könnte, bis es von Mensch zu Mensch übertragbar ist. Neuere Forschungsergebnisse bestätigen diese Befürchtung: Der Subtyp H1N1, der von 1918 bis 1920 als Spanische Grippe grassierte und bis zu 50 Millionen Tote forderte, war ein reines Vogelvirus, das sich an den Menschen angepasst hat. Denkbar ist auch eine Doppelinfektion eines Menschen oder eines Schweins mit menschlichen und tierischen Erregern. Dabei könnte sich eine Virus-Variante bilden, die eine verheerende weltweite Seuche - eine sogenannte Pandemie - auslösen könnte.
Zwei Medikamente können Menschen im unwahrscheinlichen Fall einer H5N1-Infektion helfen: Die antiviralen Medikamente Tamiflu (Roche) und Relenza (GlaxoSmithKline). Tamiflu gibt es als Tablette oder Saft, Relenza als Pulver, das inhaliert wird. Sie werden auch Neuraminidase-Hemmer genannt. Neuraminidase ist eine Eiweißstruktur an der Virushülle. Wird diese Struktur von den Medikamenten blockiert, können neu gebildete Influenza-Viren die Wirtszelle nicht mehr verlassen und sich daher nicht weiter im Körper ausbreiten. Die deutschen Bundesländer haben 2006 beschlossen, mehr als acht Millionen Dosen beider Medikamente als Vorsichtsmaßnahme kaufen. Sie sollen die Monate zwischen einem Pandemie-Ausbruch und der Entwicklung eines Impfstoffs überbrücken.
Der Vogelforscher Professor Franz Bairlein hält eine Einschleppung der Vogelgrippe aus Afrika nach Westeuropa für nicht ausgeschlossen, hält die Gefahr aber für sehr gering. "Theoretisch könnte es einen Transport von Viren auf der Südwestroute des Vogelzugs über Spanien und Frankreich geben", sagte der Leiter des Wilhelmshavener Instituts für Vogelforschung. Nur zwei Entenarten und der Weißstorch könnten allerdings das Virus transportieren, Abermillionen von Singvögeln dagegen nicht.
In Deutschland gilt ab dem 1. März erneut eine bundesweite Stallpflicht für Geflügel, um das Risiko einer Einschleppung des Virus durch im Frühjahr nach Norden wandernde Zugvögel zu minimieren.
Ausbruch auch in China
Derweil meldeten Forscher den 29. Ausbruch von Vogelgrippe bei Tieren in China seit Oktober letzten Jahres. In der Stadt Yijing in der Provinz Shanxi seien der Seuche 15.000 Tiere zum Opfer gefallen. Die chinesischen Behörden bestätigten einen elften Fall von H5N1 bei einem Menschen. Eine 26-jährige Frau aus der Provinz Fuijan sei positiv auf das Vogelgrippe-Virus getestet worden. Ihre Verfassung sei stabil.
Die Vogelgrippe breitet sich seit einiger Zeit von Asien kommend nach Westen aus. Bislang wird sie von Tier zu Tier oder von Tier zu Mensch übertragen. Seit Ende 2003 sind mindestens 88 Menschen in sieben Staaten an der Krankheit gestorben. Mediziner fürchten jedoch, dass das Virus eines Tages mutieren und sich dann direkt von Mensch zu Mensch übertragen könnte. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) befürchtet in diesem Fall eine weltweite Seuche mit möglicherweise Millionen Toten.
mbe/stx/ap/ddp/dpa/rtr
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