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21.02.2006
 

Neue H5N1-Fälle auf Rügen

Vogelgrippe könnte WM gefährden

Experten haben bei 22 weiteren Vögeln von der Insel Rügen das Vogelgrippe-Virus H5N1 gefunden. WHO-Experten warnen: Der Erreger wird aggressiver. Sollte er lernen, von Mensch zu Mensch zu springen, sehen Politiker und Experten die Fußball-WM in Gefahr.

Bei 22 weiteren Vögeln von der Insel Rügen hat das Friedrich-Loeffler-Institut den Vogelgrippe-Erreger festgestellt. Im Laufe des Tages werden auf Bauernhöfen in der Nähe des Infektionsherdes an der Wittower Fähre weitere kleinere Hausgeflügelbestände vorsorglich getötet. Das kündigte eine Sprecherin des Landkreises Rügen an. Seit Sonntag sind schon mehr als 2500 Tiere aus einem großen Betrieb und einigen Kleinsthaltungen getötet worden. Bei keinem dieser Nutztiere wurde aber das Virus H5N1 gefunden, teilte das Landwirtschaftsministerium Mecklenburg-Vorpommerns in Schwerin mit.

Die Mehrzahl der neu positiv getesteten Tiere war nahe der Wittower Fähre, dem ersten H5N1-Fundort in Deutschland, eingesammelt worden.

Es handelt sich bei den 22 Vögeln um 13 Singschwäne, 4 Höckerschwäne, 3 Kanadagänse, einen Mäusebussard sowie einen weiteren Schwan.

Experten der Weltgesundheitsorganisation WHO hatten gestern erklärt, der Erreger mutiere und werde aggressiver. Für eine Übertragung von Mensch zu Mensch geben es aber noch keine Anzeichen.

Absage der Fußball-WM im Pandemie-Fall

Für den Fall, dass dies im Lauf des Frühlings geschehen sollte, bringen erste Experten eine Absage der Fußball-WM ins Gespräch. "Sagen wir mal, das Virus ist da, und es gibt so Riesenveranstaltungen, dann wäre ich schon dafür zu sagen, lasst uns überlegen, die ausfallen zu lassen", sagte Bärbel Höhn (Grüne), die Vorsitzende des Landwirtschaftsausschusses des Bundestages. in der N24-Sendung "Was erlauben Strunz". Höhn fügte hinzu: "Das wäre eher Vorsicht als Mut."

Der Leiter des Influenza-Programms der WHO, Klaus Stöhr, pflichtete der Politikerin bei. Dies sei "keine Schwarzmalerei". Sollte während der Fußball-WM in Deutschland eine Pandemie ausbrechen, "muss man sich ganz genau überlegen, was man tut".

Die Vogelgrippe

Virus

DDP
Die Vogelgrippe, auch als Aviäre Influenza bekannt, ist eine hochansteckende Viruskrankheit und befällt vor allem Hühner und Puten, aber auch Wildvögel, Fasane und Perlhühner. Der Virusstamm H5N1 ist eine besonders aggressive Variante, die bei 80 bis 100 Prozent der erkrankten Tiere innerhalb weniger Tage zum Tod führt. In seltenen Fällen können sich auch Menschen anstecken. Weltweit wurden bisher über 300 solcher Fälle festgestellt, die meisten in Asien. Fast 200 Menschen starben. Die meisten hatten beruflich mit Geflügel zu tun.

Übertragen wird die Seuche von Tier zu Tier durch direkte Berührung, über Kot, Speichel und Tränenflüssigkeit oder über Kontakt mit infiziertem Material wie Transportkisten oder Eierkartons. Bei starker Staubentwicklung ist auch eine indirekte Ansteckung über die Luft möglich.

Symptome

Gefahr für Menschen

Behandlung


Diese Überlegungen beziehen sich jedoch auf die Möglichkeit, dass die Vogelgrippe direkt von Mensch zu Mensch übertragen würde. Das ist bisher nicht der Fall. H5N1, wie es in Deutschland ausgebrochen ist, verursacht eine Tierseuche. Die 92 bisher bestätigten Vogelgrippe-Todesfälle bei Menschen führt die WHO auf direkten intensiven Kontakt mit infiziertem Geflügel zurück.

Jäger sollen bundesweit Brutplätze kontrollieren

Eine Verbreitung der Tierseuche gilt nach wie vor als wahrscheinlich, sagten Experten. Der Virologe Alexander Kekulé von der Universität Halle-Wittenberg warnte von einer Ausbreitung der Vogelgrippe auf weitere Teile Deutschlands. "Es würde an ein Wunder grenzen, wenn man die Ausbreitung des Erregers bei den Wildvögeln in den nächsten Tagen und Wochen in den Griff bekommen würde."

Der Deutsche Jagdschutz-Verband (DJV) appelliert an seine etwa 300.000 Mitglieder, alle Vogelrastplätze in ihren Revieren verstärkt zu kontrollieren. Jäger sollten kranke oder verendete Vögel sofort den Veterinärbehörden melden, damit das Virus H5N1 als Todesursache ausgeschlossen werden könne, teilte der Verband in Bonn mit.

Nachdem die Vogelgrippe sich auf dem Festland auf die Landkreise Nord- und Ostvorpommern ausgeweitet hatte, sind auch die Verantwortlichen der angrenzenden Landkreise Demmin und Uecker-Randow in Sorge.

Die Untersuchungsergebnisse von knapp 30 toten Vögeln, die in der Region gefunden worden waren, stehen noch aus. In Demmin tagt am Nachmittag die Tierseuchenkommission, im Uecker-Randow-Kreis der Krisenstab. Am Montag war in Ueckermünde vorsorglich der Tierpark geschlossen worden. Die Forscher des FLI wollen künftig hauptsächlich Tiere aus den angrenzenden Landkreisen untersuchen, um eine Ausbreitung des Virus' möglichst früh festzustellen.

"Dass das Virus auf Rügen ist, wissen wir", sagte der stellvertretende Leiter des nationalen Referenzlabors des FLI, Timm Harder. "Es kommt jetzt darauf an, genau zu untersuchen, wo es das Festland erreicht hat und wie es sich dort gegebenenfalls ausbreitet."

stx/AP/ddp/dpa

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