Von Eva Lodde
Berlin - "Das genetische Material ist einfach zu wertvoll", sagt Manuel Garcia Hartmann, Tierarzt im Duisburger Zoo. "Wir reden hier nicht von Zuchthühnern, sondern Tieren im Arterhaltungsprogramm." Deswegen hält er es auch für richtig, die mehr als 400 Vögel im Tierpark gegen die Vogelgrippe zu impfen. Vom Aussterben bedrohte Arten wie Hawaiigänse könnten so vor der tödlichen Krankheit bewahrt werden. "Das ist doch der Grundgedanke eines Zoos", erklärt Hartmann.
Bereits 2003, als die Geflügelpest von den Niederlanden nach Nordrhein-Westfalen kam, entschieden der Zoo Duisburg sowie acht andere Tierparks, ihr Gefieder gegen das Virus H7N7 zu schützen. Den Einwand, geimpfte Tiere seien von erkrankten nicht zu unterscheiden, kann Wolfram Graf-Rudolph, Direktor des Tierparks Aachen, nicht nachvollziehen: "Bei uns sind die 2003 geimpften Tiere wie Strauß oder Emu mit Mikrochips und Ringen gekennzeichnet." Die Einschränkung, seine Tiere nicht an andere Zoos weitergeben zu dürfen, nimmt er in Kauf.
Während viele andere Direktoren einer Impfung gegen das Virus H5N1 skeptisch gegenüber stehen, hat Graf-Rudolph schon im November dafür einen Antrag gestellt. Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) hält aber bislang an einem Verbot fest. Graf-Rudolph ist dennoch optimistisch: Zurzeit wird im Aachener Tierpark ein Zelt aufgebaut, damit im Falle einer Erlaubnis die 120 Vögel geimpft werden können.
Öffentliche Fütterungen verboten
Seit letzten Freitag gilt für die Vögel der deutschen Zoos Stallpflicht. Für einige Tiere wie Nandus oder Strauße haben Tierparks zum Teil Sondergenehmigungen bekommen: Da es oft keine artgerechte, dauerhafte Unterbringung im geschlossenen Raum gibt, dürfen die Laufvögel draußen bleiben. Gefüttert werden sie allerdings im Stall.
Im Zoo Berlin sind heute die Wärter mit Netzen und Booten losgezogen, um die letzten 40 Enten einzusperren. Auf zugefrorenen Seen waren ein paar Tiere über das dünne Eis entkommen. Einige Zoos wie in Schwerin oder Münster haben öffentliche Fütterungen gestrichen, um keine Wildvögel anzulocken. "Die fressen vor allem im Winter gerne mit", sagt Sandra Silinski, Tierärztin im Münsteraner Allwetterzoo.
Allerdings können wilde Enten, Spatzen oder Meisen nicht vollständig aus den Zoos ferngehalten werden. Der Tierpark Hellabrunn in München etwa liegt im Haupteinflugsgebiet für Wildgänse und Enten. Zoodirektor Henning Wiesner bleibt gelassen. Selbst die frei fliegenden Streifengänse werden weiterhin gefüttert. "Die gehören zum Zoo, sie nisten und brüten seit 20 Jahren hier", erklärt er. Wiesner, der ebenfalls Tierarzt ist, stellt sogar in Frage, ob die toten Schwäne auf Rügen überhaupt an der Vogelgrippe gestorben seien. "Es muss noch in einer pathologischen Untersuchung gezeigt werden, ob die Tiere nicht verhungert sind. Tote Schwäne gab es doch jeden Winter, nur hat man sie nie untersucht", behauptet Wiesner.
Die Zoos in Rostock oder Schwerin planen bislang nicht, ihre Pforten zu schließen. Wie aber die meisten Zoos nehmen sie keine verletzten Tiere von außerhalb mehr an. Der Rostocker Zoo geht in seinen Vorsichtsmaßnahmen noch weiter: Nicht nur Tierpfleger, auch Besucher müssen ihre Schuhe auf Seuchenmatten desinfizieren.
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