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22.02.2006
 

Vogelgrippe

Deutsche Zoos bangen um ihre Exoten

Von Eva Lodde

Ärzte und Direktoren deutscher Tierparks sind sich uneinig, wie sie gegen die Vogelgrippe vorgehen sollen: Zoos wie Duisburg oder Aachen würden ihre Vögel impfen, wenn die Bundesregierung es erlaubt. Andere Tierparks hingegen setzen auf verschärfte Hygienemaßnahmen.

Berlin - "Das genetische Material ist einfach zu wertvoll", sagt Manuel Garcia Hartmann, Tierarzt im Duisburger Zoo. "Wir reden hier nicht von Zuchthühnern, sondern Tieren im Arterhaltungsprogramm." Deswegen hält er es auch für richtig, die mehr als 400 Vögel im Tierpark gegen die Vogelgrippe zu impfen. Vom Aussterben bedrohte Arten wie Hawaiigänse könnten so vor der tödlichen Krankheit bewahrt werden. "Das ist doch der Grundgedanke eines Zoos", erklärt Hartmann.

Eingefangener Schwan im Tierpark Neumünster: Vogelgrippe verunsichert Zoo-Leitungen
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DPA

Eingefangener Schwan im Tierpark Neumünster: Vogelgrippe verunsichert Zoo-Leitungen

Bereits 2003, als die Geflügelpest von den Niederlanden nach Nordrhein-Westfalen kam, entschieden der Zoo Duisburg sowie acht andere Tierparks, ihr Gefieder gegen das Virus H7N7 zu schützen. Den Einwand, geimpfte Tiere seien von erkrankten nicht zu unterscheiden, kann Wolfram Graf-Rudolph, Direktor des Tierparks Aachen, nicht nachvollziehen: "Bei uns sind die 2003 geimpften Tiere wie Strauß oder Emu mit Mikrochips und Ringen gekennzeichnet." Die Einschränkung, seine Tiere nicht an andere Zoos weitergeben zu dürfen, nimmt er in Kauf.

Während viele andere Direktoren einer Impfung gegen das Virus H5N1 skeptisch gegenüber stehen, hat Graf-Rudolph schon im November dafür einen Antrag gestellt. Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) hält aber bislang an einem Verbot fest. Graf-Rudolph ist dennoch optimistisch: Zurzeit wird im Aachener Tierpark ein Zelt aufgebaut, damit im Falle einer Erlaubnis die 120 Vögel geimpft werden können.

Öffentliche Fütterungen verboten

Seit letzten Freitag gilt für die Vögel der deutschen Zoos Stallpflicht. Für einige Tiere wie Nandus oder Strauße haben Tierparks zum Teil Sondergenehmigungen bekommen: Da es oft keine artgerechte, dauerhafte Unterbringung im geschlossenen Raum gibt, dürfen die Laufvögel draußen bleiben. Gefüttert werden sie allerdings im Stall.

Im Zoo Berlin sind heute die Wärter mit Netzen und Booten losgezogen, um die letzten 40 Enten einzusperren. Auf zugefrorenen Seen waren ein paar Tiere über das dünne Eis entkommen. Einige Zoos wie in Schwerin oder Münster haben öffentliche Fütterungen gestrichen, um keine Wildvögel anzulocken. "Die fressen vor allem im Winter gerne mit", sagt Sandra Silinski, Tierärztin im Münsteraner Allwetterzoo.

Allerdings können wilde Enten, Spatzen oder Meisen nicht vollständig aus den Zoos ferngehalten werden. Der Tierpark Hellabrunn in München etwa liegt im Haupteinflugsgebiet für Wildgänse und Enten. Zoodirektor Henning Wiesner bleibt gelassen. Selbst die frei fliegenden Streifengänse werden weiterhin gefüttert. "Die gehören zum Zoo, sie nisten und brüten seit 20 Jahren hier", erklärt er. Wiesner, der ebenfalls Tierarzt ist, stellt sogar in Frage, ob die toten Schwäne auf Rügen überhaupt an der Vogelgrippe gestorben seien. "Es muss noch in einer pathologischen Untersuchung gezeigt werden, ob die Tiere nicht verhungert sind. Tote Schwäne gab es doch jeden Winter, nur hat man sie nie untersucht", behauptet Wiesner.

Die Vogelgrippe

Virus

DDP
Die Vogelgrippe, auch als Aviäre Influenza bekannt, ist eine hochansteckende Viruskrankheit und befällt vor allem Hühner und Puten, aber auch Wildvögel, Fasane und Perlhühner. Der Virusstamm H5N1 ist eine besonders aggressive Variante, die bei 80 bis 100 Prozent der erkrankten Tiere innerhalb weniger Tage zum Tod führt. In seltenen Fällen können sich auch Menschen anstecken. Weltweit wurden bisher über 300 solcher Fälle festgestellt, die meisten in Asien. Fast 200 Menschen starben. Die meisten hatten beruflich mit Geflügel zu tun.

Übertragen wird die Seuche von Tier zu Tier durch direkte Berührung, über Kot, Speichel und Tränenflüssigkeit oder über Kontakt mit infiziertem Material wie Transportkisten oder Eierkartons. Bei starker Staubentwicklung ist auch eine indirekte Ansteckung über die Luft möglich.

Symptome

Gefahr für Menschen

Behandlung


Helge Zabka vom Tierpark Ueckermünde hingegen schätzt die Gefahr der Vogelgrippe wesentlich höher ein: Als erster Direktor in Deutschland hat er seinen Zoo geschlossen. "Bei der Geflügelpest ist schnelles Agieren erforderlich. Ich wollte nicht warten, bis die Behörden sich entscheiden", sagt Zabka. Die Virus-Fundorte in Mecklenburg-Vorpommern lägen schließlich direkt vor seiner Tür.

Die Zoos in Rostock oder Schwerin planen bislang nicht, ihre Pforten zu schließen. Wie aber die meisten Zoos nehmen sie keine verletzten Tiere von außerhalb mehr an. Der Rostocker Zoo geht in seinen Vorsichtsmaßnahmen noch weiter: Nicht nur Tierpfleger, auch Besucher müssen ihre Schuhe auf Seuchenmatten desinfizieren.

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