München - Die Analyse am Friedrich-Loeffler-Institut brachte Gewissheit: Nun ist auch Bayern von der Vogelgrippe betroffen. Bei zwei Wildvögeln in Oberbayern sei das H5N1-Virus identifiziert worden, erklärte das bayerische Verbraucherschutzministerium am Dienstagvormittag in München. Weitere Einzelheiten wollte Umweltminister Werner Schnappauf (CSU) am Mittag bekanntgeben.
Aus Polizeikreisen verlautete, die beiden toten Vögel seien im oberbayerischen Sachsenkam nahe Bad Tölz und im Bereich Lagerlechfeld in Schwaben gefunden worden. Bei den Tieren soll es sich um einen Schwan und um eine Ente handeln. Es seien Sperrbezirke eingerichtet worden. Die Behörden rechnen mit weiteren Fällen.
Vor zwei Wochen war die Vogelgrippe erstmals in Deutschland auf der Insel Rügen nachgewiesen worden. Mittlerweile wurden bundesweit mehr als 120 Tiere gezählt, die das H5N1-Virus in sich trugen - neben Mecklenburg-Vorpommern auch in Schleswig-Holstein, Brandenburg und Baden-Württemberg.
In Mecklenburg-Vorpommern sind heute zwei weitere mit H5N1 infizierte Wildvögel entdeckt worden: eine Reiherente aus dem Seehafen Wismar sowie eine Ente aus der Nähe von Bergen auf Rügen, teilte eine Sprecherin des Krisenstabes in Schwerin am Dienstag mit. Die Zahl der registrierten Vogelgrippefälle in dem Bundesland ist damit auf 121 gestiegen. Auf Rügen werden nicht mehr alle toten Vögel auf das Virus getestet.
Die Bundeswehr hat gestern bereits Soldaten von Rügen abgezogen, die bislang beim Aufsammeln der Tierkadaver geholfen haben. Die Insel gilt nach Behördenangaben als "sauber". Auch die Seuchenmatten am Rügendamm sind verschwunden.
In Schweden gibt es offenbar die ersten Fälle von Infektionen mit dem Vogelgrippe-Erreger H5N1. Eine aggressive Form der Seuche sei in Wildvögeln festgestellt worden, teilte das Landwirtschaftsministerium am Dienstag mit. Die Tiere seien in der Region Oskarshamn an der Südostküste des Landes gefunden worden.
Bund soll mehr Kompetenzen bekommen
Der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Reinhard Kurth, fordert mehr Kompetenzen der Bundesregierung bei der Seuchenbekämpfung. "Bei großflächigen und länderübergreifenden Bedrohungslagen wie durch die Vogelgrippe müssen wir über eine Kompetenz des Bundes diskutieren", sagte Kurth den "Stuttgarter Nachrichten". Aus langjähriger Erfahrung wisse er, wie schwierig es sei, als Bundesinstitut mit Ländern und Kommunen Alarmpläne wie den Influenza-Pandemieplan zu entwickeln.
Kurth kritisierte, dass es anschließend oft bei der Umsetzung hake: "Wenn das Geld kostet, fängt regelmäßig das große Nachdenken an." Ziel müsse sein, die Erkrankungshäufigkeit und Sterblichkeitsrate im Ernstfall zu reduzieren. Deshalb brauche der Bund die Entscheidungsgewalt für bestimmte Bedrohungspotentiale. Er müsse dann aber wahrscheinlich auch mehr finanzielle Verantwortung übernehmen, sagte der RKI-Chef.
hda/AP/AFP/dpa
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