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15.03.2006
 

London

Männer nach Medikamententest auf Intensivstation

In Großbritannien ist es zu einem schweren Zwischenfall bei einem Medikamententest gekommen. Nach der Erprobung einer in Deutschland entwickelten Arznei sind sechs Männer schwer erkrankt. Zwei von ihnen befinden sich in kritischem Zustand.

London - Die sechs Männer mussten nach dem klinischen Test am Dienstagabend in ein Londoner Krankenhaus eingeliefert werden, wie mehrere Zeitungen berichteten. Einer der Patienten, ein 21-jähriger Mann, habe drei Stunden nach der Einnahme des Medikaments auf der Intensivstation behandelt werden müssen. Er habe unter Atemproblemen und starken Schwellungen an Nacken und Kopf gelitten. Die Lebensgefährtin eines weiteren Opfers äußerte sich gegenüber der BBC schockiert: Ihr 28-jähriger Freund sei kaum noch zu erkennen, da sein Kopf extrem angeschwollen sei.

Northwick Park Hospital in London: Schwerer Zwischenfall bei Medikamententest
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REUTERS

Northwick Park Hospital in London: Schwerer Zwischenfall bei Medikamententest

Die britische Medicines and Healthcare Products Regulatory Agency (MHRA) bezeichnete den Zustand zweier Männer als kritisch. Die Arzneimittelaufsichtsbehörde verfügte einen sofortigen Stopp der Tests und ordnete Ermittlungen an. Zugleich alarmierte sie die Aufsichtsbehörden aller europäischen Länder, in denen ähnliche Tests laufen könnten.

An den Versuchen, die in einem von der US-Spezialfirma Parexel International unterhaltenen Labor am Londoner Northwick Park Hospital stattfanden, hatten sich acht Freiwillige im Alter zwischen 18 und 40 Jahren beteiligt. Laut MHRA waren sie alle vorher kerngesund. Zwei von ihnen erhielten Placebos, die anderen das Medikament mit Wirkstoff. Nach der Einnahme der Arznei kam es nach Angaben der BBC bei den Testpatienten zu multiplem Organversagen. Zwei der Männer befänden sich in kritischem Zustand.

Bei dem Medikament handelt es sich um das von der Würzburger TeGenero AG entwickelte TGN 1412. Auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE verwies die Firma auf eine Stellungnahme auf ihrer Internetseite. "Das Medikament wurde in Einklang mit allen Richtlinien und Standards entwickelt", erklärte Thomas Hanke, wissenschaftlicher Leiter bei TeGenero, in der Stellungnahme. Die MHRA habe den klinischen Versuch zugelassen.

In vorklinischen Studien habe sich TGN 1412 als sicher erwiesen. "Die Reaktionen bei den Freiwilligen waren vollkommen unerwartet", so Hanke. Laut TeGenero soll das Medikament unter anderem gegen Multiple Sklerose, Arthritis und verschiedene Krebsarten eingesetzt werden.

Laut MHRA-Chef Kent Woods könnten verschiedene Ursachen zu dem "katastrophalen Ausgang" geführt haben. Er hält Probleme bei der Herstellung oder eine Verseuchung des Medikaments für möglich. Auch ein Irrtum bei der Dosierung oder eine völlig unvorhergesehene Nebenwirkung, die nur bei der Anwendung am Menschen auftritt, könne die Erkrankung der Versuchspersonen ausgelöst haben.

Parexel-Experte Herman Scholtz sagte der BBC, seine Organisation habe alle gültigen Richtlinien beachtet. Als die Nebenwirkungen auftauchten, habe das Parexel-Team schnell reagiert und die Studie sofort gestoppt. "Eine solche Reaktion auf ein Medikament ist extrem selten", sagte er.

mbe/AFP/rtr

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