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22.03.2006
 

Londoner Patiententest

Medikament könnte Killerzellen aktiviert haben

Nach dem lebensgefährlichen Londoner Patientenversuch haben Mediziner erste Erklärungen vorgelegt. Das Medikament TGN 1412 könnte das Immunsystem der Testpatienten völlig durcheinander gebracht haben. Die Abwehrzellen seien regelrecht Amok gelaufen.

London - Der Medikamententest endete für zwei Männer beinahe tödlich. Am 13. März, wenige Minuten nach Verabreichung des neuen Arzneimittels TGN 1412, klagten sechs Testpersonen über schwere Schmerzen, rissen sich die Kleider vom Leib und fingen an zu schreien.

Northwick Park Hospital: Sechs Männer nach Medikamententest eingeliefert
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AFP

Northwick Park Hospital: Sechs Männer nach Medikamententest eingeliefert

Das Medikament des deutschen Herstellers Tegenero war zuvor bei Tierversuchen erfolgreich getestet worden. TGN 1412 ist eigentlich zur Bekämpfung von Leukämie und Immunkrankheiten wie rheumatischer Arthritis gedacht. Bei diesen Erkrankungen greifen weiße Blutkörperchen aus der Immunabwehr, die T-Zellen, körpereigenes Gewebe an. Doch offenbar förderte das Mittel genau diesen Mechanismus, statt ihn zu bekämpfen.

TGN 1412 habe das Immunsystem der Testpatienten womöglich völlig durcheinander gebracht, zitierte das Wissenschaftsmagazin "New Scientist" den Forscher Michael Ehrenstein vom University College London.

Unter den T-Zellen - einem zentralen Bestandteil der Immunabwehr - soll das Medikament der Würzburger Firma Tegenero lediglich die Zahl der für die Steuerung zuständigen T-Regulatorzellen steigern. Wie Ehrenstein erläuterte, könnte das Mittel stattdessen wahllos sämtliche T-Zellen aktiviert haben - darunter also auch die sogenannten CD8-T-Killerzellen. "Die griffen dann absolut alles an."

"New Scientist" zufolge könnten auch minimale Unterschiede an der Oberfläche von T-Zellen bei Mensch und Tier hinter dem Drama von London stehen: Während TGN 1412 bei Tierversuchen mit Affen, Mäusen und Kaninchen zielgenau nur Regulatorzellen anregte, konnte das Mittel bei Menschen auch an zell-fressenden T-Zellen andocken, wird in dem Magazin spekuliert.

Experten halten es nicht zuletzt aber auch für möglich, dass das Mittel durch eine giftige Bakterie oder einen Pilz verunreinigt war. Dadurch könnten die Patienten einen septischen Schock erlitten haben. Auch bei einer solchen Blutvergiftung bricht die Immunabwehr zusammen.

hda/AFP

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