Mittwoch, 10. Februar 2010

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26.03.2006
 

Kanada

Umstrittene Robbenjagd gestartet

In Kanada hat die von Tierschützern heftig kritisierte jährliche Robbenjagd begonnen. Die Fischer auf den Inseln von Québec und Neufundland wollen daran festhalten, um ihre Einkünfte aufzubessern. Es kam zu Rangeleien zwischen Jägern und Demonstranten.

Nahe der Magdalen-Inseln an der Ostküste waren am Samstag pausenlos Gewehrschüsse zu hören, als die Jäger die Jungtiere auf Eisschollen erlegten, um sie anschließend zu häuten. Es kam zu Konfrontationen mit Gegnern der Robbenjagd, unter anderem mit Mitgliedern des US-Tierschutzverbandes. Trotz massiver Proteste hat die kanadische Regierung die Tötung von 325.000 Tieren erlaubt. Ministerpräsident Stephen Harper wies Kritik zurück und sprach von einem Propagandafeldzug gegen sein Land.

Fischer der Inseln von Québec und Neufundland hatten zuvor erklärt, sie seien wegen der stark zurückgegangenen Kabeljaubestände mehr denn je auf die Robbenjagd angewiesen. Die Jäger zeigten sich verärgert über die Anwesenheit der Demonstranten und der Presse. Einer hob den blutigen Kadaver eines Robbenbabys auf und warf ihn auf ein Schlauchboot, in dem Tierschützer und Journalisten saßen. Bei einem anderen Vorfall rasten Jäger mit ihrem Boot auf ein Journalisten-Boot zu und drehten erst im letzten Moment ab - über die Reporter ging deshalb eine Welle hinweg.

"Es ist ekelhaft wenn man hier draußen steht und sich anschaut, was die Robben schon durchgemacht haben", sagte Rebecca Aldworth vom US-Tierschutzverband der Nachrichtenagentur Reuters. Wegen der globalen Erwärmung hänge das Leben der Tiere ohnehin an einem seidenen Faden. Sie sprach von "unvorstellbaren Grausamkeiten" während der Jagd. Sie rief zu einem Boykott kanadischer Fischereiprodukte auf.

Im vergangenen Jahr wurden rund 325.000 Robben getötet, was den Jägern 16,5 Millionen kanadische Dollar einbrachte. Verkauft werden die Felle zumeist an die Modeindustrie in Norwegen, Russland und China, das Fett wird zu Öl verarbeitet. Die Jagd schadet der Seehundpopulation nach Ansicht der Regierung bei fast sechs Millionen Tieren nicht.

Besonders begehrt sind wegen ihres Fells die Jungtiere. Davon gibt es diesem Jahr aber nach Angaben von Tierschützern deutlich weniger als in früheren Jahren. Wegen des ungewöhnlich warmen Wetters sei das Eis äußerst dünn und viele Jungtiere seien ertrunken, bevor sie schwimmen konnten, erklärte der Tierschützer John Grandy. Gegen die Robbenjagd hatten auch etliche Prominente protestiert, darunter Brigitte Bardot und Ex-Beatle Paul McCartney mit seiner Frau Heather Mills McCartney.

hda/Reuters/AP

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