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10.04.2006
 

Vogelgrippe

Opfer-Prognose schockiert Briten

Das H5N1-Virus verbreitet Angst in Großbritannien. Tausende besorgte Bürger bombardieren die Behörden mit Anrufen. Jetzt hat ein Regierungsberater erklärt, eine Vogelgrippe-Pandemie könnte 100.000 Schulkinder töten - was auf der Insel nicht eben zur Gelassenheit beitrug.

London/Edinburgh - Es war nur ein einziger Schwan in einem abgelegenen ostschottischen Küstendorf. Aber er reichte aus, einen ganzen Staat in Unruhe zu versetzen: Seit klar ist, dass der am 29. März in Cellardyke gefundene Vogel mit dem H5N1-Virus infiziert war, hat die Angst vor der Seuche auch Großbritannien in ihren Klauen.

Untersuchung eines toten Schwans in  Aberdeen: H5N1-Fall in Schottland ängstigt die Briten
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AFP

Untersuchung eines toten Schwans in  Aberdeen: H5N1-Fall in Schottland ängstigt die Briten

Zwar sind in den vergangenen zwei Wochen offenbar keine weiteren Tiere auf der Insel der Vogelgrippe zum Opfer gefallen, doch das vermag die Bevölkerung kaum zu beruhigen. Allein am vergangenen Freitag und Samstag riefen knapp 3500 besorgte Bürger beim zuständigen Ministerium an, um Kadaver zu melden oder sich über die Gefahr zu informieren, wie die Tageszeitung "The Independent" berichtete.

Am gestrigen Sonntag drehte die "Sunday Times" noch einmal kräftig an der Hysterieschraube. Das Blatt zitierte Liam Donaldson, als "Chief Medical Officer" immerhin der oberste Mediziner des Vereinigten Königreichs, mit den Worten, eine Vogelgrippe-Pandemie könne im schlimmsten Fall bis zu 700.000 Briten töten - darunter bis zu 100.000 Schulkinder.

Eltern dürften das nicht gerne hören. Doch das Blatt nannte noch weitere Details aus dem eigentlich vertraulichen Brief Donaldsons an die Schulen des Landes. Demnach forderte der Mediziner die Schulleitungen auf, sich auf schnelle Schließungen im Falle einer Vogelgrippe-Seuche unter Menschen vorzubereiten. Denn dadurch könnten 50.000 Kinder gerettet werden. "Ich würde deshalb empfehlen, dass die Schulen auf der Grundlage planen, während der Pandemie teilweise oder ganz zu schließen", zitiert die "Times" aus dem Brief.

Regierung arbeitet offenbar an Notfallplänen

Dass der Bericht nicht völlig aus der Luft gegriffen war, bestätigte anschließend Jack McConnell, Chef der schottischen Regionalregierung. In Schottland würde schon ein infizierter Schüler genügen, um alle Schulen des Landes sofort stillzulegen, sagte McConnell in einem Fernsehinterview. Ob dies auch gelte, wenn der betreffende Schüler das Virus direkt von einem Vogel und nicht von einem Menschen bekommen sollte, sagte McConnell nicht.

Die Vogelgrippe

Virus

DDP
Die Vogelgrippe, auch als Aviäre Influenza bekannt, ist eine hochansteckende Viruskrankheit und befällt vor allem Hühner und Puten, aber auch Wildvögel, Fasane und Perlhühner. Der Virusstamm H5N1 ist eine besonders aggressive Variante, die bei 80 bis 100 Prozent der erkrankten Tiere innerhalb weniger Tage zum Tod führt. In seltenen Fällen können sich auch Menschen anstecken. Weltweit wurden bisher über 300 solcher Fälle festgestellt, die meisten in Asien. Fast 200 Menschen starben. Die meisten hatten beruflich mit Geflügel zu tun.

Übertragen wird die Seuche von Tier zu Tier durch direkte Berührung, über Kot, Speichel und Tränenflüssigkeit oder über Kontakt mit infiziertem Material wie Transportkisten oder Eierkartons. Bei starker Staubentwicklung ist auch eine indirekte Ansteckung über die Luft möglich.

Symptome

Gefahr für Menschen

Behandlung

Donaldsons Brief blieb nicht das einzige Dokument, das in Großbritannien am Wochenende für Aufregung sorgte. Der "Sunday Telegraph" zitierte aus einem "geheimen" Regierungsbericht, die Regierung in London erstelle Notfallpläne, um im Falle einer Vogelgrippe-Pandemie die Versorgung der Bevölkerung zu sichern. Das Kabinett von Premierminister Tony Blair befürchtet nämlich, dass zahlreiche Lastwagenfahrer nicht bereit wären, in Seuchengebiete zu fahren. Deshalb spiele man sogar mit dem Gedanken, Kraftfahrer aus dem Ruhestand zurückzuholen und Feuerwehrmänner zu reaktivieren, die nicht im aktiven Dienst seien.

Inzwischen gibt es zumindest erste Hinweise darauf, woher der in Schottland gefundene Schwan gekommen sein könnte: aus Deutschland. Die Variante des H5N1-Erregers, der den Vogel niedergestreckt hatte, sei derjenigen "sehr ähnlich", die auf der Insel Rügen Hunderte Vögel befallen hat, sagte Charles Milne, Chef des schottischen Veterinäramtes. Es sei jedoch "sehr schwierig abzuleiten, woher der Vogel gekommen sein kann". Über den Ansteckungsweg könne nur spekuliert werden. Derzeit sei nicht einmal bekannt, ob es sich bei dem Wildschwan um einen Zugvogel handelt.

mbe/rtr/AFP

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