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27.04.2006
 

Rückschlag

Mann stirbt zwei Jahre nach Gentherapie

2004 hatten Mediziner den ersten Erfolg einer Gentherapie bei Erwachsenen gefeiert: Zwei Patienten mit einer seltenen Erbkrankheit bekamen genetisch veränderte Blutzellen - und erholten sich zunächst. Jetzt aber ist einer der beiden Männer verstorben.

Frankfurt/Main - Der 28-Jährige starb vor knapp zwei Wochen in einer Düsseldorfer Klinik an einer Blutvergiftung, wie die behandelnde Ärztin Marion Ott von der Universitätsklinik Frankfurt heute der Nachrichtenagentur AFP sagte. Ein Zusammenhang mit der Gentherapie sei nicht ausgeschlossen. Es sei aber auch möglich, dass der Mann an seiner Grunderkrankung, einer seltenen Immunschwäche, gestorben sei. Die Studie des deutsch-schweizer Teams aus Ärzten und Wissenschaftlern sei zunächst gestoppt worden.

Der Patient war an sogenannter chronischer Granulomatose erkrankt. Bei Menschen mit dieser seltenen Erbkrankheit ist ein Gen defekt, so dass Bakterien und Pilze im Körper von den eigentlich dafür zuständigen Fresszellen nicht mehr abgetötet werden. Solche Patienten haben häufig mit Infektionen der inneren Organe zu kämpfen.

Mediziner aus Deutschland und der Schweiz hatten im Frühjahr 2004 zwei Männern mit der Erbkrankheit Blutstammzellen entnommen und mit Hilfe eines Virus gesunde Gene in sie eingeschleust. Anschließend injizierten die Mediziner die veränderten Zellen den Patienten. Die Gentherapie verlief zunächst bei beiden erfolgreich - im April berichteten die Forscher darüber im Fachblatt "Nature Medicine".

Die Ärzte rätseln noch, warum der 28-Jährige jetzt gestorben ist. Untersuchungen von Zellproben sollen für Aufklärung sorgen. Mit ersten Ergebnissen rechnet Dieter Hoelzer, klinischer Leiter der Studie, frühestens in vier Wochen.

"Es sah sehr gut aus im ersten Jahr nach der Therapie, aber leider konnten wir dem Patienten nicht dauerhaft helfen", sagte der Frankfurter Molekularvirologe Manuel Grez, der die Studie koordiniert hatte.

Die Forscher halten es für denkbar, dass der 28-Jährige eine erneute Gentherapie gebraucht hätte, um zu überleben. Dem zweiten Mann, der ebenfalls mit der Gentherapie behandelt wurde, geht es nach Aussage der Ärztin Ott derzeit "sehr gut".

hda/dpa/AFP

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