Rio de Janeiro - Das präkoloniale Observatorium wurde im entlegenen Gebiet von Calçoene in dem an Französisch-Guyana angrenzenden Bundesstaat Amapá freigelegt. Die Anlage bestehe aus 127 drei Meter hohen Granitblöcken, berichtete die Zeitung "O Globo" unter Berufung auf die Wissenschaftlerin Mariana Petry Cabral. Die Steine seien kreisförmig und in regelmäßigen Abständen auf einer Waldlichtung angeordnet. "Nur eine Gesellschaft mit einer komplexen Kultur kann ein solches Monument erschaffen haben", sagte die Archäologin.
Bei dem Bauwerk handelt es sich laut Cabral um eine Art Tempel, der auch als Observatorium genutzt wurde. Die Granitblöcke seien so aufgestellt, dass sie die Wintersonnenwende markieren. Die Strahlen der Sonne schienen im Dezember exakt durch die Öffnung in einem der Blöcke. Möglicherweise seien so Erkenntnisse für die Landwirtschaft oder für religiöse Rituale gewonnen worden. Insofern gebe es Parallelen zur prähistorischen Kultstätte Stonehenge im südenglischen Salisbury.
Bei der Datierung gibt es allerdings erhebliche Unsicherheit. Zwar sei die Anlage in jedem Fall vor der Kolonialisierung durch die Europäer entstanden, glauben die Experten des Instituts für wissenschaftliche und technologische Forschung in Amapá. Zur Altersbestimmung seien bisher allerdings nur in der Nähe des Monuments gefundene Keramikscherben verwendet worden, die auf ein Alter zwischen 500 und 2000 Jahren hindeuteten. In diesem Fall wäre die brasilianische Anlage bei weitem jünger als die von Stonehenge, die zwischen 3000 und 1600 vor Christus entstanden sein soll.
mbe/AFP
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wissenschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Mensch | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH