Vor einem Vierteljahrhundert wurde die Krankheit Aids zum ersten Mal von Wissenschaftlern beobachtet und beschrieben. Daraufhin entdeckten sie das HI-Virus, welches längst zu einer Geißel der Menschheit geworden ist: 25 Millionen Menschen hat die Krankheit bislang getötet, insgesamt steckten sich 65 Millionen an.
Doch zum ersten Mal seit dem Ausbruch der Epidemie in den achtziger Jahren hat sich ihre Ausbreitung verlangsamt. Im vergangenen Jahr haben sich nach Zahlen der Vereinten Nationen weltweit 4,1 Millionen Menschen mit HIV angesteckt. 2003 hatte es noch 4,8 Millionen Neuinfektionen gegeben.
Der Zweijahresbericht des Uno-Programms Unaids, der heute in New York veröffentlicht wurde und der online zugänglich ist, zeichnet dennoch ein noch immer beängstigendes Bild:
In Deutschland nimmt die Zahl der Neuinfektionen seit 2002 beständig zu, wie das Statistische Bundesamt und das Robert-Koch-Institut gemeldet hatten.
"Ich glaube, diese Krankheit wird sich weiter in jeden Winkel dieses Planeten verbreiten", sagte Unaids-Chef Peter Piot. Es sei aber immer noch Zeit, eine weitere Verschlechterung der Lage zu verhindern. "Wir müssen jetzt an die nächsten Generationen denken."
Vergleich mit der Zeit der Sklaverei
In Afrika südlich der Sahara seien die Auswirkungen der Krankheit auf die Bevölkerung nur mit der Zeit der Sklaverei zu vergleichen, sagte Piot. Besonders in ärmeren Ländern hätten nach wie vor viele Menschen keinen Zugang zu den notwendigen Medikamenten.
Bei der Bekämpfung von Aids würden besonders Kinder "dramatisch vernachlässigt", beklagt das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, Unicef. Nur jedes zwanzigste infizierte Kind erhalte die Medikamente, die es benötige. Deshalb müsse im Durchschnitt jede Minute ein Kind an Aids sterben. "Kinder werden beim Kampf gegen Aids übersehen", sagte Unicef-Direktorin Ann Veneman.
Von den weltweit rund 660.000 infizierten Kindern, die dringend virenhemmende Medikamente benötigten, würden nur etwa 20.000 bis 30.000 auch damit versorgt. Selbst preisgünstige Antibiotika, die nur wenige Cent pro Tag kosteten und lebensgefährliche Infektionen verhindern könnten, blieben den meisten vorenthalten.
Erstmals HIV-Positiver vor Uno-Vollversammlung
Außerdem gebe es kaum kindgerechte Arzneien und geeignete Schnelltests für Säuglinge, heißt es in einer Studie, die Unicef vor dem Aids-Gipfel der Vereinten Nationen veröffentlichte, der am morgigen Mittwoch in New York beginnt. Zum ersten Mal wird dabei ein HIV-positiver Redner vor der Uno-Vollversammlung sprechen, die normalerweise Vertretern der Mitgliedsstaaten und Uno-Angehörigen vorbehalten ist.
Der "2006 Report on the Global Aids Epidemic" von Unaids stellt mit Berichten aus 126 Ländern das bislang ausführlichste Werk zum Stand der Aids-Epidemie dar. Im Vergleich zum großen Uno-Aids-Gipfel 2001 seien "wichtige Fortschritte" erzielt worden, sagte Piot. So seien die Ausgaben für Kampagnen zur Verhinderung von Aids stark angestiegen. Die Eindämmung der Immunschwächekrankheit sei aber immer noch ein "harter Kampf", sagte Piot.
Erst kürzlich hatten Wissenschaftler berichtet, den Ursprung der Aids-Epidemie - einen tierischen Vorläufer des HI-Virus - bei Schimpansen entdeckt zu haben. Affen in Kamerun, so folgerten sie, seien die Quelle des Immunschwäche-Erregers.
stx/AFP/AP/dpa
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