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02.06.2006
 

Mysteriöses Uhrwerk

"Antiker Computer" soll letzte Geheimnisse preisgeben

Forscher stehen angeblich kurz davor, die letzten Geheimnisse des "Mechanismus von Antikythera" zu lüften. Die neuen Erkenntnisse über den 2000 Jahre alten "Computer" würden die Geschichte von Mathematik und Astronomie revolutionieren - sagen die Experten.

Wissenschaftler sind eigentlich für eher vorsichtiges Formulieren bekannt - erst recht, wenn ihre Ergebnisse noch von keinem unabhängigen Experten begutachtet, geschweige denn in einem Fachblatt veröffentlicht wurden. Nicht so Xenophon Moussas. Der Grieche gehört zu einem Team, das den sogenannten "Mechanismus von Antikythera" untersucht - ein komplexes antikes Gerät, das vor 100 Jahren gefunden wurde und seitdem sowohl seriöse Experten als auch Spökenkieker und Esoteriker umtreibt.

Die neuen Erkenntnisse, die Moussas und sein Mitstreiter versprechen, sollen es in sich haben. "Es ist sicher, dass nach unseren Erkenntnissen, die in den nächsten Monaten veröffentlicht werden sollen, große Teile der Geschichte der Mathematik und der Astronomie umgeschrieben werden müssen", sagte Moussas in Athen. Man sei kurz davor, dem Antikythera-Mechanismus die letzten Geheimnisse zu entreißen. Worin genau die bestehen, verriet Moussas freilich nicht.

Älteste bekannte Analog-Rechenmaschine

Schwammtaucher hatten das mysteriöse Gerät im Jahr 1901 nahe der kleinen griechischen Insel Antikythera aus dem Wrack eines vor rund 2000 Jahren gesunkenen Schiffes geborgen. Was zunächst nur wie ein Klumpen oxidierten Metalls aussah, entpuppte sich als hochkomplexe Sammlung von Zahnrädern, Skalen und Ziffernscheiben.

Heute gilt der Antikythera-Mechanismus als älteste bekannte Analog-Rechenmaschine. Die komplizierte Zahnradmechanik besitzt ein 39-teiliges Getriebe und diente offenbar astronomischen Berechnungen. Restauratoren entdeckten auf dem Kastendeckel eine Art Gebrauchsanweisung. Zur Dateneingabe wird die Mondphase an einem Einstellring gewählt. Auf verschiedenen weiteren Ringen markiert dann ein Zeigermechanismus den Stand von Sonne und Mond zu den Sternbildern sowie die nächsten Sonnen- und Mondfinsternisse.

Mit hochmodernen Methoden - darunter auch magnetischen Tomografien - sei es Wissenschaftlern der Universitäten von Cardiff und Thessaloniki vergangene Wochen gelungen, eingravierte Gebrauchsanweisungen auf den Zahnrädern des Gerätes zu lesen, berichtete der griechische Rundfunk.

Suche nach Fragen für bereits bekannte Antworten

"Wir können jetzt lesen: Wenn Du den Hebel von A bis B drehst, dann hast Du das Ergebnis", sagte ein Mitglied der Forschungsgruppe. Jetzt suche man die Fragen, damit die bereits bekannten Antworten endlich verständlich würden: "Was wir jetzt gerade zu lesen versuchen, ist zu welchem Ergebnis die Hebelbewegung führen soll. Wir suchen die Frage und nicht die Antwort auf die Frage, die uns ja bekannt ist", sagte der Forscher Ioannis Tselikas. Die Gebrauchsanweisungen seien auf Bronzeblättern zu lesen, die zwischen den Zahnrädern des Mechanismus entdeckt wurden, hieß es.

Einen detaillierten Bericht ihrer Erkenntnisse wollen die Experten im Herbst 2006 vorlegen. Die Entwicklungen ihrer Arbeit veröffentlichen sie dann auch auf der Website des Projekts.

Ob wirkliche Neuigkeiten zu erwarten sind, darf zumindest bezweifelt werden. Der Wissenschaftshistoriker Derek de Solla Price von der Yale University kam nach Jahren der Forschung bereits 1974 zu dem Schluss, dass es sich bei dem Mechanismus um eine Vorrichtung zur Berechnung der Sonnen- und Mondzyklen handeln müsse. 1989 begannen Michael Wright, der heute am Imperial College in London lehrt, und Allan Bromley mit der Rekonstruktion des antiken Uhrwerks.

Im Oktober 2005 - Bromley war bereits verstorben - stellte Wright bei einer Fachkonferenz in Athen ein vollständiges, funktionierendes Modell des Antikythera-Mechanismus vor. Dem Wissenschaftsmagazin "Science" zufolge zeigte es nicht nur die Bahnen von Sonne und Mond an, sondern auch die der fünf Planeten, die den Griechen in der Antike bekannt waren: Venus, Mars, Jupiter, Saturn und Merkur.

mbe/dpa

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