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Mathematik Muttersprache bestimmt Zahlen-Verarbeitung

In welchen Hirnregionen Zahlen verarbeitet werden, hängt offenbar von der Muttersprache ab. Forscher haben Amerikaner und Chinesen bei Mathematik-Aufgaben getestet - und fanden im Hirn auch Unterschiede zwischen Rechnen und Vergleichen.

Beinahe überall auf der Welt werden in der Mathematik arabische Ziffern benutzt. Ob sie jedoch auch von Menschen verschiedener Kulturen auf die gleiche Art verarbeitet werden, war bisher nicht klar. Wissenschaftler haben nun mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanztomografie (fMRT) untersucht, welche Hirnstrukturen aktiv sind, wenn Englisch und Chinesisch sprechende Personen mathematische Aufgaben lösen.

Zahl Pi (im Mathematikmuseum Giessen): Auch die Muttersprache entscheidet über die Verarbeitung im Hirn
DDP

Zahl Pi (im Mathematikmuseum Giessen): Auch die Muttersprache entscheidet über die Verarbeitung im Hirn

Die Forscher um Yiyuan Tang von der University of Technology im chinesischen Dalian stellten den Probanden dazu einfache Additions- oder Zahlenvergleichs-Aufgaben. Bei letzteren mussten die Testpersonen beispielsweise entscheiden, ob die letzte von drei Ziffern in einer Reihe die größte war.

Das Ergebnis war eindeutig: Je nach Muttersprache waren beim Lösen der Aufgaben andere Hirnregionen aktiv. So war beim Lösen der Additions-Aufgabe bei den Englisch sprechenden Probanden eine Hirnregion aktiv, die normalerweise für die Sprachverarbeitung zuständig ist. Die chinesischsprachigen Versuchspersonen benutzten hingegen eine Hirnregion, in der visuelle Informationen verarbeitet werden.

Die Wissenschaftler folgern daraus, dass arithmetische Berechnungen wie Additionen stärker von der Muttersprache abhängen als Zahlenvergleiche. Die Muttersprache bestimme auch, wie das Gehirn diese verschiedenen mathematischen Aufgaben verarbeite, schreiben die Forscher in einer Online-Vorabveröffentlichung der Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Tang und seine Kollegen vermuten, die Unterschiede in der Verarbeitung von Zahlen könnten durch die visuelle Lese-Erfahrung beim Lernen der Muttersprache zustande kommen.

So hatte eine frühere Studie gezeigt, dass die Fähigkeit, chinesische Zeichen zu lesen, von der Schreibübung während des Lernens der Muttersprache abhängt. Doch auch andere kulturelle Faktoren, die nicht von der Sprache abhängen - wie etwa unterschiedliche Lernstrategien in der Mathematik oder verschiedene Erziehungssysteme - könnten für die ungleiche Verarbeitung von Ziffern entscheidend sein, schreiben die Wissenschaftler.

stx/ddp

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