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Futuristischer Flügel Fliegen wie Batman

2. Teil: 15 Minuten für 10 Kilometer Höhenunterschied: Am Flügel können Elitesoldaten tief ins Zielgebiet rasen - und sind vom Radar praktisch nicht zu entdecken. Militärs reagieren nicht nur begeistert

Ein von der ESG entwickeltes und von der Bundeswehr bereits eingesetztes Spezialsystem mit Sauerstoff-Versorgung ermöglicht Sprünge aus einer Höhe von bis zu zehn Kilometern. "Das erlaubt theoretisch eine Reichweite von 40 Kilometern", sagt Jelitko. Wo man am Ende aber landet, hängt von den Höhenwindverhältnissen ab - und die sind in Krisengebieten kaum in Erfahrung zu bringen, sei es mangels fortschrittlicher Wettersysteme oder anderer Faktoren.

Dem "Gryphon"-Piloten könne das gleich sein. "Dem Flügel ist es völlig egal, ob er Seiten-, Rücken- oder Gegenwind hat", sagt Geissler. Die Reichweite steige zwar mit dem Rückenwind, liege jedoch aufgrund der günstigen Gleitzahl des Flügels - dem Verhältnis zwischen horizontalem Tempo und Sinkgeschwindigkeit - in jedem Fall bei mindestens 40 Kilometern. Denn auch mit dem "Greif" könne man in 10.000 Metern Höhe abspringen, da er sich mit dem bereits vorhandenen Sauerstoff-System kombinieren lasse. Nur brauche man mit dem Flügel aus dieser Höhe nur noch 15 Minuten bis zum Erdboden - und nicht 45 wie mit einem normalen Fallschirm.

Nach Geisslers Plänen ist auch eine so große Absprunghöhe irgendwann nicht mehr notwendig: Der Flügel soll später auch eigene Triebwerke bekommen - kleinformatige Düsen, die zwar keine halsbrecherischen Geschwindigkeiten erlauben, "aber dafür sorgen, dass man die Höhe halten kann". Wie der Flügel in dieser Version aussehen könnte, ist bereits bekannt: Ein "Gryphon" mit Triebwerks-Attrappen wurde eigens für den James-Bond-Film "Stirb an einem anderen Tag" gebaut, dann aber nicht eingesetzt - Hauptdarsteller Pierce Brosnan verletzte sich am Knie und soll den Stunt deshalb abgesagt haben.

Sorgenvolles Interesse bei den Militärs

Echte Triebwerke würden laut Geissler inklusive Treibstoff etwa 15 Kilogramm wiegen, aber auch eine Gewichtsersparnis mit sich bringen, da man sich die Sauerstoffversorgung sparen könne. Die Reichweite des Flügels soll dank der Triebwerke auf bis zu 200 Kilometer steigen. Solche Verheißungen haben bei der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA), die im Mai in Berlin stattgefunden hat, reges Interesse internationaler Militärs geweckt. Neben der Bundeswehr und den Streitkräften mehrerer anderer Länder haben laut ESG auch die USA angefragt, die noch kein dem "Gryphon" vergleichbares System besitzen.

"Manche Generäle haben auch Sorge darüber geäußert, was geschehen könnte, wenn der Flügel in die falschen Hände gerät", sagt Jelitko. Ein geflügelter Spezialtrupp wäre nach Angaben der "Gryphon"-Entwickler selbst von modernen Radaranlagen kaum zu entdecken. "Jedes Radargerät hat einen Filter, der nur das durchlässt, was man vorher als potentielle Bedrohung definiert hat", sagt Geissler. "Der Flügel hat die Geschwindigkeit eines schnellen Sportflugzeugs und das Radarecho eines Modellfliegers." Damit passe er in kein gängiges Schema.

Zudem besitze der Flügel, ähnlich wie die Tarnkappenbomber der U.S. Air Force, Stealth-Eigenschaften. "Aufgrund seiner Form und seiner inneren Struktur wirft er nur ein sehr geringes Radarecho zurück", erklärt Geissler. Deshalb sei der Flügel, wenn überhaupt, nur von hochentwickelten Radaranlagen zu erkennen. "Selbst in Deutschland sind höchstens eine Handvoll solcher Anlagen stationiert", sagt Jelitko. "Über jedem afrikanischen Krisengebiet könnte ich tagelang hin- und herfliegen, ohne entdeckt zu werden."

Coolness-Faktor für Soldaten

Geissler hat indes die Hoffnung nicht aufgegeben, dass sein Flügel irgendwann auch seine ursprüngliche Bestimmung erfüllt und zum Sportgerät wird. Ein Spielzeug, mit dem man mal eben über den Ärmelkanal fliegen kann. Allerdings gibt es da noch ein Imageproblem unter den traditionellen Fallschirmspringern. "Die sehen es gar nicht gern, wenn wir uns mit den Flügeln ins Flugzeug quetschen und anderen die Plätze wegnehmen", meint Geissler. Sollte sich der Flügelsport dennoch durchsetzen, würden dessen Anhänger wohl bald mehr für die Flugtickets zahlen müssen.

Bei Soldaten dagegen besitze der Flügel einen bedeutend höheren Coolness-Faktor. Und das sei ein nicht zu unterschätzendes Verkaufsargument. "Ist doch klar", sagt Geissler. "Die machen eben gern einen Riesen-Bohei um ihre Ausrüstung."

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