Tut das wohl weh? Machen die Schmerzen bald gefügig? Wie könnte man das noch beschleunigen? Hat der Verdächtige vielleicht eine besondere Phobie, über die man ihn noch schneller zum Reden bringen könnte? - Dass ein Psychologe im Folterkeller zuweilen recht nützlich sein könnte, lässt sich schon mit ein wenig schrecklicher Phantasie ausmalen. Doch gar so fiktional ist die Vorstellung überhaupt nicht.
Die American Psychological Association (APA) wird gerade von Mitgliedern und externen Fachleuten wegen einer Erklärung bedrängt, nach der Psychologen bei militärischen Verhören mitwirken dürfen. Einer Online-Petition gegen diese Haltung schlossen sich bislang 1300 Unterstützer an. Manche Mitglieder haben ihre Zahlungen an die APA eingestellt oder mit Austritt aus der Berufsorganisation gedroht.
Der Protest richtet sich gegen eine fragwürdige Leitlinie aus dem vergangenen Jahr. Darin steht: Während Psychologen zwar nicht aktiv foltern oder Gefangene erniedrigen dürften, sei es ethisch vertretbar, als Berater bei Verhören mitzuwirken, wenn diese der nationalen Sicherheit dienten. Mit dem Schlagwort von der nationalen Sicherheit wird in den USA derzeit allerlei begründet. Und angesichts der Folterskandale von Guantanamo und Abu Ghureib herrscht nicht eben Konsens unter Psychologen, was die APA-Position betrifft. Einer von ihnen, William Gorman aus Chicago, schimpft: "Eine unvereinbare Haltung."
Ärzte und Psychiater wollen nicht mehr Foltern helfen
Medienberichte hatten ans Licht gebracht, dass Verhörkräfte des US-Militärs Zwangstechniken entwickelt hatten, bei denen unter anderem durch Schlafentzug und das gezielte Spiel mit Angstvorstellungen der Verhörten Informationen erpresst werden. Dabei halfen auch Berater mit intimen Kenntnissen über die seelische Gesundheit.
Erst im vergangenen Monat hatte die American Medical Association eine entschiedenere Haltung gegen den Einsatz von Ärzten bei Verhören eingenommen. Sie entspricht der Position der American Psychiatric Association. Beide Gruppen wollen nicht mehr Foltern helfen. Das US-Militär hatte daraufhin erklärt, dass künftig verstärkt Psychologen bei Verhören zum Einsatz kommen sollen, da sie keine Ärzte seien - und damit auch nicht an die Verhaltensregeln von deren Berufsverbänden gebunden.
Letzten Mittwoch forderte daraufhin die Menschenrechtsorganisation Physicians for Human Rights aus Cambridge in Massachusetts die APA auf, "Psychologen die Teilnahme an Verhören ausdrücklich zu verbieten". Am selben Tag enthüllte die Website Salon.com, dass von den zehn Verfassern der nun kritisierten Erklärung der APA zu Verhören mindestens sechs enge Kontakte zum Militär pflegten. Vier von ihnen hatten gar zuvor in Guantanamo, Abu Ghureib oder Afghanistan gearbeitet.
Beim Jahrestreffen spricht der oberste Army-Arzt
Diese Verbindungen machten den Standpunkt der APA nur noch beunruhigender, sagte der New Yorker Psychologe Steven Reisner, der an der Columbia University Teil eines internationalen Traumaforschungsprogramms ist. APA-Präsident Gerald Koocher sagte hingegen, dass keiner der Mitglieder der Arbeitsgruppe gefoltert habe und dass ihre Verbindungen keinen Interessenkonflikt darstellten.
Reisner setzt sich nun - wie andere APA-Mitglieder auch - dafür ein, dass die 150.000 Psychologen zählende Organisation in einem neuen Verhaltenskodex jede Teilnahme an Gefangenenbefragungen verbietet. Der Ethikausschuss der APA bereitet derzeit immerhin einen Leitfaden zu angebrachtem und unangebrachtem Verhalten für Verhörsituationen vor.
Einen Tag vor dem APA-Jahreskongress im August in New Orleans soll außerdem der Vorstand der Berufsorganisation eine Erklärung gegen Folter und unmenschliche Behandlung abgeben. Einen Tag später allerdings wird auch der oberste Mediziner der US Army, General Kevin Kiley, in New Orleans darüber sprechen, wie das Militär künftig Psychologen einsetzen möchte.
Reisner und seine Mitstreiter haben angekündigt, dann mit Flugblättern und Diskussionsrunden "eine Welle der Beschämung und Empörung" auszulösen, "weil die APA bislang diese Verhöre erleichtert hat, anstatt die Menschenrechtsverletzungen zu stoppen."
stx/AP
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