Das Aids-Programm der Regierung von George W. Bush nütze mehr, als es schade, sagte Ex-Präsident Bill Clinton am gestrigen Dienstag bei der 16. Internationalen Aids-Konferenz in Toronto. Das 2003 von der US-Regierung gestartete 15-Milliarden-Dollar-Programm wird von vielen Hilfsorganisationen kritisiert, weil ein Drittel der Mittel Projekten zur Förderung sexueller Enthaltsamkeit vorbehalten ist. Nach Ansicht der Kritiker wird dadurch Geld von wichtigeren Programmen abgezogen, weil diese den Vorgaben der US-Regierung nicht entsprechen.
Der Rest des US-Programms sei immer noch ein riesiger Betrag, sagte Clinton. Allerdings glaube auch er, dass die ausschließliche Propagierung von Enthaltsamkeit nicht funktioniere. Nach Auffassung von Experten sind solche Programme wirkungslos in Gesellschaften, in denen Mädchen und junge Frauen zum Heiraten oder zum Sex gezwungen oder vergewaltigt werden.
Kritisch beurteilte Clinton ein US-Gesetz, das die Förderung durch das Regierungsprogramm an die Ablehnung von Prostitution bindet. Auch Prostituierte verdienten eine Chance, die Mittel zum Schutz ihres Lebens zu bekommen, sagte Clinton. Der Ex-Präsident leitet eine Stiftung, die sich für günstige Aids-Medikamente für Entwicklungsländer einsetzt.
25 Jahre nach der Entdeckung von Aids ist weiter kein erfolgreicher Impfstoff zum Schutz vor der Seuche in Sicht. Ihr fielen bisher 25 Millionen Menschen zum Opfer, wie die International Aids Vaccine Initiative (IAVI) in Toronto berichtetete. Obwohl die Wissenschaft über keinen Erreger so viel wisse wie über HIV, bleibe es "das schlimmste Virus, das wir kennen", sagte IAVI-Direktor Seth Berkley am Rande der Weltaidskonferenz.
Akuter Mangel an Fachkräften
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beklagte den akuten Mangel an Ärzten, Krankenschwestern und Pflegern, der den Kampf gegen Aids erschwere. In den 60 am schlimmsten von der Immunschwächekrankheit betroffenen Ländern müssten mindestens vier Millionen zusätzliche Stellen im öffentlichen Gesundheitswesen geschaffen werden, berichteten WHO-Experten. Die WHO schätzt die Kosten dafür auf umgerechnet mindestens 5,7 Milliarden Euro innerhalb der nächsten fünf Jahre.
"Der Mangel an Personal zerstört das öffentliche Gesundheitswesen der meisten Entwicklungsstaaten", sagte der stellvertretende WHO-Generaldirektor Anarfi Asamoa-Baah vor den rund 20.000 Teilnehmern der Mammut-Konferenz. Diesen Mangel zu beheben, sei eine der Hauptaufgaben im Kampf gegen den HI-Virus.
Ein großes Problem sei es jedoch, dass ausgebildetes Personal oft aus den armen Staaten abwandere, weil sie in den Industriestaaten besser bezahlt würden - ironischerweise meist in die USA und nach Europa, den Hauptgeberländern im Kampf gegen die Immunschwäche. Dies treffe vor allem für die Länder der Sub-Sahara zu, in denen fast zwei Drittel der Aids-Infizierten lebten, berichtete Asamoa-Baah.
Aids-Medikamente für Kinder zu teuer
Die Behandlung Aids-infizierter Kleinkinder im südlichen Afrika wird nach Einschätzung der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen durch das Fehlen bezahlbarer und geeigneter Medikamente erschwert. Nur jedes 20. der 660.000 dringend behandlungsbedürftigen Kleinkinder mit der Immunschwächekrankheit bekomme die nötige Hilfe, heißt es in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht der Gruppe.
Es gebe kaum Medikamente, die speziell auf Kinder zugeschnitten seien, sagte der in Malawi arbeitende Arzt Moses Masaquoi bei der Aids-Konferenz in Toronto. Deshalb müssten Ärzte häufig Erwachsenen-Tabletten zerkleinern, die dafür eigentlich nicht gedacht seien.
Die wenigen Kinder-Medikamente gegen Aids müssten gekühlt werden und seien deshalb in heißen, armen Ländern häufig schwer zu handhaben. Die Ärzte ohne Grenzen rief Politiker und internationale Organisationen auf, Pharmafirmen zur Herstellung von Kinder-Medikamenten zur Aids-Behandlung anzuhalten. Ihren Angaben zufolge leben die meisten der 2,3 Millionen mit dem Virus infizierten Kinder in afrikanischen Ländern südlich der Sahara.
hda/Reuters/dpa/AFP
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