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"Fuck"-Aufsatz Der Jäger des F-Worts

2. Teil: Beschwört das Wort immer gleich Sex herauf? Hunderte von Verwendungen und eine Erklärung für den bigotten Umgang mit Fuck

Erst in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts wurde Fuck zum Gegenstand der Psycholinguistik. An der New Yorker Columbia University unterschied der Englischprofessor Allen Read: Obszön ist nicht, was in einem Wort liegt, sondern einzig seine Verwendung. In den fünfziger Jahren näherte sich der Psychologe Leo Stone dem Fuck psychoanalytisch - und spekulierte über den Reim auf das Verb suck (saugen). Der Freudianer Ariel Arango sah im Fuck gar einen verbalen Ausdruck des Ödipus-Komplexes und warnte, die alltägliche Verwendung könne bei Vätern und Söhnen "schlafende Hunde" wecken.

Doch ist das Wort Fuck tatsächlich die immergleiche Heraufbeschwörung des Körperlichen, eine Dauervergegenwärtigung der Kopulation? Nein, sagt Fairman und zitiert das Standardwerk "The F-Word" von Jesse Sheidlower, der hauptberuflich das Oxford English Dictionary zusammenstellt. Er hat Hunderte von Verwendungen und Varianten des F*** (so steht es auf dem Buchcover) gesammelt - die wenigsten mit direkter sexueller Konnotation. "Aus der Linguistik wissen wir, dass es für Fuck viele Bedeutungen und Verwendungen gibt, und die meisten haben nichts mit Geschlechtsverkehr zu tun", resümiert Fairman.

Erst übereifrige Gesetzgebung verleiht Fuck seine Macht

Dennoch bereite es einen gewissen Nervenkitzel, das Wort auszusprechen. Das gelte für jene, die es möglichst meiden, ebenso wie für jene, die es häufig benutzen. Die reflexhafte Reaktion auf das Wort Fuck - die sich letztlich auch in der inkonsistenten, übertriebenen Gesetzeslage ausdrücke - müsse mit einem kulturellen Tabu erklärt werden. Fairmans Analyse zeigt, wie der Umgang mit Fuck bis heute mit Sanktionen belegt wird - ein typisches Merkmal eines Tabus.

Auch wer das Wort gezielt einsetze, um zu beleidigen, zu provozieren, um Aufmerksamkeit zu erregen, der verhalte sich noch entsprechend. Psycholinguisten sprechen hier vom invertierten Tabu. Dieses Verhalten kann aber nicht ohne Strafandrohung bestehen. "Das Tabu wird erst durch das Gesetz institutionalisiert, und gleichzeitig gibt es Spannungen mit anderen Rechtsgütern", sagt Fairman. Ironisch: Erst die unverhältnismäßige Reaktion des US-Gesetzgebers macht Fuck zu dem, was es heute ist.

Ebenso wurde "Fuck" erst durch die Berührungsängste der Fachzeitschriften zu dem, was es heute ist - dem interessantesten ungedruckten academic paper des Sommers. Jura-Blogger verbreiteten Fairmans Geschichte flugs, bald wurden auch Mainstream-Blogs wie BoingBoing darauf aufmerksam. Schließlich schaffte sie den Sprung in die etablierten Medien - wenngleich nur außerhalb seiner Heimat. "Traurigerweise haben sich die US-Medien nicht mit dem Artikel auseinandergesetzt", sagte Fairman. "Vielleicht aus Furcht, sich dem Thema der Selbstzensur stellen zu müssen - denn das ist ja der Kern meiner Hypothese."

Unter den meistzitierten im ganzen Land seien die Gelehrten des eigenen Jura-Fachbereichs, warb das Moritz Law College im September auf seiner Website stolz. Und nach den Download-Rekorden des Sommers könnte nun im Herbst auch Fairmans "Fuck" auf ganz respektable Art den Ruhm seiner Alma Mater mehren. "Zu guter Letzt habe ich einen Verleger gefunden", sagte er. In der juristischen Fachzeitschrift "Cardozo Law Review" aus New York wird der Aufsatz abgedruckt - unter demselben, vierbuchstabigen Titel.

  • 1. Teil: Der Jäger des F-Worts
  • 2. Teil: Beschwört das Wort immer gleich Sex herauf? Hunderte von Verwendungen und eine Erklärung für den bigotten Umgang mit Fuck
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