"Maulwurfmann" wurde Maurizio Montalbini genannt: Er lebte mehrere Hundert Tage lang in Höhlen. Jetzt ist der italienische Soziologe wieder in eine Höhle gekrochen - zu Forschungszwecken und um seine Rekorde zu brechen.
Um die Jahreswende 1986/1987 lebte Montalbini 210 Tage in der Grotte von Frasassi - abgeschnitten von der Außenwelt, vollkommen isoliert. Ende 1992 verkroch er sich wieder: 366 Tage verbrachte er damals in einer Grotte in der Nähe von Pesaro - in einem "Underlab", wie er sein Heim damals nannte, überwacht von Kameras. Diesmal will der Maulwurfmann - er ist mittlerweile 53 Jahre alt - bis zu drei Jahre in einer unterirdischen Grotte ausharren. Das Ziel hingegen ist gleich geblieben.
Wieder will der Italiener testen, wie sein Körper auf die Abgeschiedenheit und Dunkelheit reagiert. Und er wolle die "innere Uhr" des Körpers erforschen, um beispielsweise Medikamente besser dosieren und gegen Stress und Schlaflosigkeit kämpfen zu können, berichtete die italienische Zeitung "La Repubblica".
Drei Jahre Kälte, Enge und künstliche Nahrung
Gestern stieg der etwas andere Höhlenmensch Montalbini in die Grotte hinab. Nach Angaben der Zeitung hat Montalbini seinem Kontrollteam an der Erdoberfläche erlaubt, ihn "maximal drei Jahre" in seinem unterirdischen Gefängnis zu lassen.
Wenn seine Kollegen ihn dann in 1096 Tagen wieder ans Tageslicht holen, wird er vermutlich sagen: Warum jetzt schon? Denn als Montalbini im Jahre 1993 von seinem zweiten Trip unter die Erde zurückkam, sei er überzeugt gewesen, nur 219 Tage unter der Erde gelebt zu haben - dabei waren es ja 366. Sein Körper habe den klassischen 24-Stunden-Tag mangels Licht quasi "verlängert", sagte er zu "La Repubblica".
Seit einigen Stunden nun sitzt der Höhlenforscher in 80 Metern Tiefe unter der Erdoberfläche in einer zwei Meter breiten, 50 Meter langen und fünf Meter hohen Höhle. Die Temperatur im Inneren schwankt zwischen neun und zehn Grad. Trinkwasser bekommt Montalbini durch einen Schlauch von außen; zu essen gibt es vor allem künstliche Nahrung. Er hat allerdings auch vier Kilogramm Honig, zwei Kilo Nüsse und 1,5 Kilogramm Schokolade mit in sein unterirdisches Verlies genommen.
fba/AFP
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