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07.11.2006
 

Experiment beantragt

Menschen-Erbgut in Rinderzellen

Britische Forscher wollen menschliches Erbgut in Rinder-Eizellen verpflanzen. Zwar handelt es sich um Grundlagenforschung, die erst in Jahrzehnten zu neuen Therapien führen könnte. Kritiker aber warnen schon jetzt vor Mischwesen aus Mensch und Tier.

London - Für die einen ist es eine neue Hoffnung im Kampf gegen schwere Krankheiten, für andere eine Horrorvision: Ein Forscherteam des North East England Stem Cell Institute, das von den Universitäten in Durham und Newcastle upon Tyne betrieben wird, hat bei der zuständigen Aufsichtsbehörde die Genehmigung beantragt, menschliches Genmaterial in Eizellen von Kühen einpflanzen zu dürfen.

Kuh: Britische Forscher wollen menschliche Zellkerne in die Eizellen von Rindern einpflanzen
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REUTERS

Kuh: Britische Forscher wollen menschliche Zellkerne in die Eizellen von Rindern einpflanzen

Zur Begründung führte das Team um Lyle Armstrong von der University of Newcastle upon Tyne an, durch die Vermischung könne man mehr über die genetische Programmierung von Körperzellen erfahren und auf ethisch unbedenkliche Weise embryonale Stammzellen gewinnen. Am Ende sollen neue Therapien für Krankheiten wie Parkinson und Alzheimer stehen. Allerdings betonen die Forscher selbst, dass dies noch Jahrzehnte in der Zukunft liegen dürfte. Die Aufsichtsbehörde Human Fertilisation and Embryology Authority wird ihre Entscheidung voraussichtlich erst in einigen Monaten bekannt geben.

Das von den Wissenschaftlern vorgeschlagene Verfahren soll neue Wege zur Herstellung embryonaler Stammzellen aufzeigen, die sich zu vielen Arten von Körpergewebe entwickeln können und deshalb einer der großen Hoffnungsträger der Medizin sind. Bisher werden die Verwandlungskünstler aus menschlichen Embryos gewonnen, die bei der künstlichen Befruchtung übrig geblieben sind. Die Embryos werden dabei zerstört, weshalb das Verfahren ethisch umstritten ist.

Lyle und seine Kollegen wollen dieses Problem umgehen, indem sie die Kerne aus Rinder-Eizellen entfernen und durch die Kerne menschlicher Körperzellen ersetzen. Die Embryos, deren Erbgut dann nur noch zu 0,1 Prozent vom Rind stammen würde, sollen sich zu einer sogenannten Blastozyste entwickeln - einem Haufen von etwa 300 Zellen. Ihm wollen die Wissenschaftler Stammzellen entnehmen und prüfen, ob der Zellkerntransfer funktioniert hat und wie die Zellen neu programmiert wurden. Die geklonten Embryos sollen nach 14 Tagen zerstört werden.

Durch das Experiment könne "die Stammzellenforschung in das nächste Stadium eintreten", sagte Armstrong. Bedenken äußerte Calum MacKellar vom Schottischen Rat für Bioethik. "Bei diesem Verfahren werden tierische Eizellen und menschliche Chromosomen auf sehr direkte Art vermischt", sagte MacKellar dem Online-Dienst der BBC. "Damit könnte man beginnen, die Unterscheidung zwischen Tieren und Menschen zu untergraben."

Evan Harris, Abgeordneter der Liberaldemokraten und Mitglied des Wissenschafts-Ausschusses im Londoner Unterhaus, sprach sich dagegen für das Experiment aus: Wenn man Menschen durch die Perfektionierung des therapeutischen Klonens helfen könne, sei es unmoralisch, dies wegen eines "Ekel-Faktors" zu unterlassen.

mbe/AFP

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