• Drucken
  • Senden
  • Feedback
13.11.2006
 

Mögliche Nebenwirkungen

Grippemittel soll Hinweis vor Halluzinationen tragen

Das Medikament Tamiflu kann die Dauer und Intensität einer Grippe reduzieren. Die Einnahme des Mittels hat aber möglicherweise auch Bewusstseinsstörungen und Wahnvorstellungen zur Folge. In den USA steht nun ein entsprechender Warnhinweis auf der Packung.

Nach der Prüfung von mehr als 100 Fällen von abnormem Verhalten, darunter drei mit tödlichen Folgen, haben sich Gesundheitsexperten in den USA dafür ausgesprochen, auf der Verpackung des Grippemittels Tamiflu die Überwachung von Patienten zu empfehlen. Ob die beobachteten Zwischenfälle im Zusammenhang mit dem Medikament oder mit dem Grippevirus oder dem Zusammenwirken beider stehen, ist allerdings noch unklar.

Der Hersteller Roche hat nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters angekündigt, den Warnhinweis hinzuzufügen. Der Konzern habe aber ebenso betont, dass es keine Belege für einen Zusammenhang zwischen dem Präparat und der beobachteten psychischen Probleme gebe. Angesichts von über 42 Millionen seit 1999 behandelten Patienten sei ihre Zahl außerdem sehr gering.

Beobachtet wurden zwischen August 2005 und Juli 2006 insgesamt 103 neue Fälle von abnormem Verhalten nach der Einnahme von Tamiflu, die meisten davon in Japan. Unter anderem stürzten drei Patienten zu Tode, die mit dem Grippemedikament behandelt wurden. Auf den Tamiflu-Packungen in Japan wird bereits auf mögliche Bewusstseinstrübungen, Halluzinationen und Krämpfe hingewiesen.

Die US-Experten hatten im vergangenen Jahr noch erklärt, zwischen dem Tod von zwölf Kindern in Japan seit 2000 und Tamiflu bestehe kein Zusammenhang. Sie lehnten damals einen entsprechenden Warnhinweis ab. Über die jetzige Empfehlung will die für Kinder zuständige Abteilung der Arzneimittelbehörde FDA am Donnerstag beraten.

Tamiflu ist kein Impfstoff. Es bietet auch keinen hundertprozentigen Schutz vor einer Grippeinfektion, mindert aber die Dauer und Stärke der Symptome. Es gilt als eines von zwei Medikamenten, die im Fall einer Grippe-Epidemie wichtig sind, solange noch kein passender Impfstoff zur Verfügung steht. Weil das Präparat die Viruslast reduzieren kann, soll es im Pandemiefall die Ausbreitung eines Erregers verlangsamen. Experten fürchten, dass zum Beispiel ein Vogelgrippe-Virus mutieren und eine Pandemie auslösen könnte.

bri/stx/AP/rtr

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
alles aus der Rubrik Mensch

© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP