Heidelberg - Aidsforscher stehen seit der Entdeckung des Virus vor 26 Jahren vor einem schwerwiegenden Problem: Ihnen fehlt ein geeignetes Versuchstier, mit dem sich etwa die Wirkung neuer Medikamente prüfen ließe. "Gegenwärtige Tests von Mitteln gegen das HI-Virus werden dadurch behindert, dass es einen Mangel an Kleintieren gibt, die verfügbar und leicht zu handhaben sind", schreiben Forscher um Christine Goffinet von der Universität Heidelberg in der Wissenschaftszeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences" (PNAS).
Die gewöhnlich in Labors benutzten Ratten und Mäuse werden von dem Aidserreger nicht attackiert. HIV infiziert nur einige Immunzellen des Menschen. Diese lassen sich zwar in Zellkulturen halten und damit für die Forschung nutzen - das Modell eines gesamten Organismus ersetzen sie jedoch nicht. Darum haben Goffinet und ihre beiden Kollegen Ina Allespach und Oliver Keppler Laborratten genetisch so verändert, dass diese mit HIV infiziert werden können.
Dazu übertrugen die Forscher einige Moleküle von der Oberfläche menschlicher Immunzellen - den so genannten CD4-Rezeptor-Komplex - auf die Tiere. Diese Rezeptoren dienen dem Virus als Andockstelle.
Mit ihrer Hilfe bleibt es im ersten Schritt der Infektion an der Zelle hängen. Tatsächlich ließen sich die Ratten mit menschlichen Aidserregern infizieren, das Virus vermehrte sich in ihnen, schreiben die Forscher in "PNAS". In weiteren Experimenten zeigte sich, dass ein herkömmliches Medikament gegen HIV ebenfalls in den Tieren wirkte.
Sie könnten sich also für Tierversuche bei der Entwicklung von Aids-Medikamenten eignen. Die Arbeit ist kein unmittelbarer Fortschritt für Menschen, die an Aids leiden oder mit HIV infiziert sind, sehr wohl bringt es jedoch die Forschung voran. Seine Bedeutung wird unterstrichen von dem wissenschaftlichen Gutachter, der den Aufsatz der Heidelberger für "PNAS" betreut hat: Robert Gallo von der University of Maryland - er hatte vor 25 Jahren das Virus entdeckt.
stx/ddp
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