Es ist Grundlagenforschung – doch sie gehört zu einer Zukunftsvision, in die einige Wissenschaftler große Hoffnungen setzen. Sie wollen tierische und menschliche Zellen miteinander verschmelzen. Das soll ihnen helfen, neurologische Krankheiten sowohl im Reagenzglas und als auch an zahlreichen Zellen zu untersuchen.
In Deutschland ist nicht nur diese Form des Klonens verboten, Wissenschaftler dürfen auch rein menschliche Embryonen nicht zu Forschungszwecken herstellen. Großbritannien ist da freizügiger, deswegen schielen deutsche Laboratorien nicht selten mit neidvollem Blick zur britischen Konkurrenz.
Die fürchtet jetzt allerdings, ihre Vorreiter-Stellung in Europa zu verlieren. Denn ein Gesetzesvorschlag - entstanden nach einer Volksumfrage - will die Herstellung der so genannten Chimären nun verbieten. Die Gegner nennen das Verfahren "unethisch" und sprechen von einem "Spiel mit der Natur".
Bei dem Verfahren entkernen Wissenschaftler Eizellen von Tieren. Dann spritzen sie das Erbgut eines Menschen hinein, der an einer unheilbaren Krankheit wie Parkinson oder Alzheimer leidet. Die resultierenden Embryonen wären zu 99,5 Prozent menschlich. Für die Forscher hätten sie den Vorteil, dass sich mit ihnen die stets knappen Ressourcen an menschlichen embryonalen Stammzellen umgehen ließen.
Die britische Aufsichtsbehörde HFEA (Human Fertilisation and Embryology Authority), die über künstliche Befruchtung und Embryonenforschung wacht, muss nun über drei Anträge von Forscherteams entscheiden, die solche Chimären erzeugen wollen. Unter den Wissenschaftlern ist Chris Shaw, Stammzellexperte vom King's College in London. Ihn zitiert die britische "Times": "Diese Form der Forschung zu verbieten, wäre eine Beleidigung für alle, die verzweifelt auf eine Therapie warten." Sein Kollege Stephen Minger, der Grundlagen der Alzheimer-Erkrankung erforscht, sagte dem "Guardian" gegenüber: "Das wäre wirklich kurzsichtig gedacht und reflexhaft reagiert."
Inoffiziell wollen die Forscher allerdings von der HFEA bereits einen ablehnenden Bescheid bekommen haben. Obwohl es in Großbritannien bereits verboten ist, die entstandenen Embryonen länger zu züchten als 14 Tage, und sie danach weggeworfen werden müssen, will das Komitee diese Forschung nicht zulassen. Auch die britische Gesundheitsministerin Caroline Flint erwartet eine solche Entscheidung. Der "Times" zufolge will sie in diesem Fall ein Verbot aussprechen.
hei/ddp/dpa
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