Doof und dreist zugleich war ein 23-Jähriger aus Hessen. Er war nicht bloß ohne Führerschein auf einem frisierten Motorroller unterwegs und versuchte, sich einer Polizeikontrolle zu entziehen. Der junge Mann transportierte obendrein eine Kiste Bier zwischen seinen Füßen - und hatte schon so viel getrunken, dass die Beamten laut Polizei in Wetzlar bei einem Alkoholtest stolze 2,29 Promille feststellen konnten.
Der Verkehrsgefährder gehört zum neuen Typus junger Alkoholkonsumenten, die Drogenexperten Sorgen bereiten und die aktuelle Debatte um jugendliche Säufer bestimmen: Politiker fordern ein Alkohol-Verbot für Jugendliche, nachdem sich ein Berliner Gymnasiast mit rund 50 Gläsern Tequila ins Koma getrunken hat. Berliner Politiker wollen außerdem gegen das sogenannte Flatrate-Trinken vorgehen.
Doch wie sinnvoll sind neue Verbote? Und um welche Schwer-Säufer geht es genau in der aktuellen Debatte?
"Es ist wirklich beunruhigend, wie planvoll heutzutage manche Jugendliche Alkohol einsetzen, um ganz bestimmte Gefühle hervorzurufen oder sich in Stimmung zu versetzen", sagte die Berliner Drogenbeauftragte Christine Köhler-Azara im Interview mit SPIEGEL ONLINE. "Da hat sich etwas in den letzten Jahren verändert."
Schon am Wochenende hatte ein Sprecher der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Sabine Bätzing, gesagt: Zunächst müssten die bestehenden Jugendschutzgrenzen strikt eingehalten und kontrolliert werden. Es sei außerdem erforderlich, dass ein verantwortlicher Alkoholkonsum in der Gesellschaft zum Thema gemacht werde.
Extremtrinker an der Grenze zur Lebensgefahr
Der aufgegriffene Wetzlarer zum Beispiel kann kein gewöhnlicher Betrunkener gewesen sein. Zwar variiert die Reaktion auf übermäßigen Alkoholkonsum beim Einzelnen sehr stark. Doch nehmen Mediziner als groben Leitfaden die Daumenregel, nach der bei 1,5 Promille starke Betrunkenheit mit Stottern, Schwanken und Brabbeln einsetzt. Ab 2,0 Promille drohen Erbrechen, große Probleme mit der Balance, schwerer Rausch. Rund ein Dutzend Biere oder zwei Liter Wein braucht der Durchschnitts-Trinker bis zu diesem hilflosen Zustand. Darüber wird es kritisch: Ab 2,5 Promille können Bewusstlosigkeit und Lebensgefahr drohen. Vier Promille führen meist zum Tode - Alkohol als sofortiger Killer.
Angesichts drastischer Folgen und spektakulärer Fälle geht aber unter: Es ist nur eine kleine Gruppe Jugendlicher und junger Erwachsener, die so hemmungslos über die Stränge schlägt. Insgesamt geht der Anteil der regelmäßigen Alkoholkonsumenten unter den Jugendlichen sogar zurück: bei den Jungen von 36 auf 22 Prozent und bei den Mädchen von 22 auf 12 Prozent.
Grund zur Entwarnung sieht die Deutsche Hauptstelle für Suchtgefahren (DHS) jedoch nicht: "Jugendliche trinken zwar generell weniger, aber diejenigen, die trinken, trinken mehr", sagte der DHS-Geschäftsführer Rolf Hüllinghorst der "Neuen Osnabrücker Zeitung".
Mehrheit junger Trinker wird vernünftiger
Das deutsche Kinderhilfswerk fasste es in seinem Überblick "Kinder und Jugendliche in Deutschland - Zahlen, Daten, Fakten 2006" zusammen:
"Das Koma-Saufen ist eine beunruhigende Entwicklung", sagte der drogenpolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Harald Terpe, der "Berliner Zeitung". Verschiedene Berliner Landespolitiker hatten sich für ein Verbot des Flatrate-Trinkens ausgesprochen, bei dem Kunden - auch Jugendliche über 16 Jahren - nach Zahlung eines Einmalbetrags so viel trinken dürfen, wie sie wollen. Oder können.
In diesem Zusammenhang ist es interessant, zu welchen Getränken jugendliche Trinker greifen. Rein statistisch gesehen zeichnet sich hier eine überraschende Dominanz harter, süßer Alkoholika ab. Hierzu zitiert das Deutsche Kinderhilfswerk eine Befragung aus dem Jahr 2005 über den Konsum bei 12- bis 17-Jährigen:
Zwar sind Alkopops inzwischen mit zusätzlichen Steuern belegt worden, um sie für Jugendliche unattraktiver zu machen. Doch nach wie vor gelten süße Getränke, in denen man den Alkohol nur schwach schmeckt, als potente Einstiegs-Rauschmittel. Mittlerweile, so Köhler-Azara, mischten sich Jugendliche vergleichbare Getränke einfach selbst. "Mit den Alkopops hat uns die Industrie ein großes Problem hinterlassen", sagte die Berliner Drogenbeauftragte.
stx/AP/ddp/rtr
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Sie haben vergessen: Ausserdem wären die Drogen von kontrollierter Qualität und deswegen nicht mehr so gesundheitsschädlich, und es würde weniger Geld an die organisierte Kriminaltät gehen. Allerdings gibt es Drogen die [...] mehr...
Die meisten Drogen werden verboten, manche nicht. Wo ist da die Logik? Entweder Alkohol und Nikotin werden genauso verboten, wie andere Drogen oder alle Drogen werden Legalisiert, das wäre logisch und konsequent! Ein [...] mehr...
geht hier ja nicht nur darum, dass Jugendliche gelegentlich einen über den Durst trinken, sondern dass sie das "Kampftrinken" als eine Art Ritual praktizieren oder zelebrieren. Das ist in dieser Form und Ausprägung [...] mehr...
Und ich frage mich immer: Wo sind da eigentlich die verantwortlichen Eltern? Wer belangt die eigentlich? mehr...
Sie sprechen das Dilemma an: Alkohol ist legal, somit eine legale Droge. Der verantwortungsvolle Gebrauch ist zu erlernen, wenn gleich dies schwierig sein kann. Nur: das Koma-Saufen wird zum Problem, vor allem bei Kindern und [...] mehr...
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