Eigentlich können nach heutigem Wissensstand nur Affen Farben ähnlich gut wahrnehmen wie der Mensch. Bei allen anderen Tieren ist diese Fähigkeit bestenfalls begrenzt entwickelt. Doch die Gentechnik kann das offenbar ändern: US-Forscher haben Mäusen ein Gen verliehen, das auf der Netzhaut des Menschen den Rezeptor für die Farbe Rot entstehen lässt. Anschließend konnten auch die Nager trichromatisch, also in Farbe sehen, schreiben Gerald Jacobs von der University of California in Santa Barbara und seine Kollegen im Fachblatt "Science".
Das Experiment simuliert den evolutionären Prozess, durch den die Urahnen der heutigen Primaten einen dritten visuellen Rezeptor für die Wahrnehmung von Farben bekamen. Experten datieren die Entstehung des Farbsehens bei den Vorfahren der Primaten etwa 40 Millionen Jahre zurück. Es befähigt Menschen und Affen, auch die langen Wellenlängen des Lichts wahrzunehmen, also rote Farben zu sehen. Dagegen sind Mäuse und die meisten anderen Säugetiere nur mit Rezeptoren für kurze und mittlere Wellenlängen (Blau und Grün) ausgestattet.
Fraglich war, ob das menschliche Gen für den Rot-Rezeptor die Mäuse befähigen würde, die langen Wellenlängen nicht nur aufzunehmen, sondern im Hirn auch zu verarbeiten. Der Nachweis erforderte mehr als 10.000 Versuche, schreibt das Team in "Science". Am Ende - mit jeweils einem Tropfen Sojamilch als Belohnung - gelang es dem Team, die kleinen Nager zu einer Reaktion auf die erweiterte Farbpalette zu dressieren.
Die Wissenschaftler hoffen, dass die neuen Erkenntnisse eines Tages im Kampf gegen Farbenblindheit beim Menschen helfen könnten. Männer sind generell stärker gefährdet als Frauen, weil die Gene für die Farbwahrnehmung auf dem X-Chromosom liegen - von dem Männer nur eines, Frauen aber zwei besitzen.
mbe/dpa
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