Der Chefökonom der Internationalen Energieagentur sagte dem "New Scientist", China werde wohl noch im Jahr 2007 der weltgrößte Verursacher von CO2-Emissionen werden. Das sei aber nicht seine größte Sorge: "Das Hauptproblem sind die langfristigen Aussichten. Im Jahr 2030 werden die Emissionen Chinas doppelt so schnell wachsen wie die Emissionen aller OECD-Länder zusammengenommen", sagte Fatih Birol.
Im Jahr 2006 hatte die Agentur noch prognostiziert, Chinas Emissionen würden die der USA im Jahr 2009 übersteigen. Die korrigierte Vorhersage sei dem gewaltigen chinesischen Wirtschaftswachstum geschuldet, sagte Birol. In den Jahren 2006 und dem bereits vergangenen Anteil von 2007 hätte das Wachstum selbst die Vorhersagen der chinesischen Regierung überstiegen. Das offizielle Planziel liegt bei 7,5 Prozent Zuwachs im Jahr. Tatsächlich wuchs das Bruttoinlandsprodukt Chinas seit 2006 jedoch um 11 Prozent.
Die Daten ließen nur einen Schluss zu, sagte Birol dem "New Scientist": China und Indien müssten schleunigst in Klimaschutzinitiativen einbezogen werden. Chinesische Offizielle dagegen wiesen Birols Aussagen zurück und warfen ihm vor, die Volksrepublik unter Druck setzen zu wollen.
Anfang der Woche hatte die chinesische Regierung den "National Climate Change Assessment Report" veröffentlicht, in dem sie zwar eingesteht, dass dem Land schwerwiegende Folgen des Klimawandels blühen. So könnten in der zweiten Jahrhunderthälfte fast zwei Fünftel der derzeitigen chinesischen Reisproduktion bedroht sein. Zunächst jedoch müsse die Volkswirtschaft weiter wachsen, noch verfüge man nicht über die Technologien zur maßgeblichen Emissionsminderung, so die Studie.
China und Indien sind zwar Unterzeichner des Kyoto-Protokolls, aber weil beide als Entwicklungsländer gelten, sind sie an keine konkreten Klimaziele gebunden. Das Kyoto-Abkommen läuft noch bis 2012, über eine neue Regelung die Zeit danach wird derzeit verhandelt. Birol und andere Experten betonen immer wieder, dass in der nächsten Vereinbarung dringend auch Entwicklungsländer auf verbindliche Emissionsreduktionen festgelegt werden müssten.
cis
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