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27.04.2007
 

Künstliche Befruchtung

Britische Paare wollen Embryo auf Brustkrebs-Gen testen lassen

Es wäre eine Premiere: Weil in ihren Familien ein erhöhtes Brustkrebsrisiko besteht, wollen zwei Paare in Großbritannien für die künstliche Befruchtung erstmals Embryos ohne das Krebsgen BRCA1 auswählen dürfen - neuer Zündstoff für die Ethik-Debatte.

Nach einem Zeitungsbericht der Londoner Zeitung "Times" wird erwartet, dass die zuständige Behörde Human Fertilisation and Embryology Authority (HFEA) den Anträgen zustimmen wird. Demnach könnten Ärzte vor der künstlichen Befruchtung testen, ob Zellen von Embryos das Gen BRCA 1 enthalten - bevor sie der Mutter eingesetzt werden.

Befruchtung im Reagenzglas: Möglichkeit der Diagnostik, bevor ein Embryo eingepflanzt wird
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DPA

Befruchtung im Reagenzglas: Möglichkeit der Diagnostik, bevor ein Embryo eingepflanzt wird

Das Gen kann Studien zufolge das Krebsrisiko für Erwachsene um 60 bis 80 Prozent steigern. Bei ihrem gestern eingereichten Antrag argumentieren die Paare damit, dass durch das Screening ihren Kindern ein zerstörerisches genetisches Erbe erspart bleibe. Ein Paar, das nur mit den Vornamen Matthew und Helen genannt wurde, erklärte, dass durch Brustkrebs bereits seit drei Generationen Familienmitglieder stürben.

Die beiden Fälle würden die erste Anwendung einer neuen Ethikrichtlinie in Großbritannien bedeuten: Bis vergangenen Mai hatte die HFEA Gentests nur bei einem 90- bis 100-prozentigen Krankheitsrisiko zugelassen. Frauen mit einem defekten BRCA1-Gen tragen ebenfalls ein 40 Prozent erhöhtes Risiko, an Eierstock-Krebs zu erkranken. Es wird auch mit Prostata- und Brustkrebs in Verbindung gebracht. Männer können das Gen unaktiviert in sich tragen und es an ihre Töchter weitergeben.

Für die künstliche Befruchtung im Reagenzglas werden der Frau Eizellen entnommen. Spermien werden eingespritzt, und Ärzte beobachten unter dem Mikroskop, ob eine normale Zellteilung einsetzt. Im frühen Stadium lässt sich auch eine Zelle entnehmen, um daran genetische Untersuchungen vorzunehmen, bevor ein Embryo in die Gebärmutter eingesetzt wird. Dieses Verfahren wird Präimplantationsdiagnostik (PID) genannt.

Kritik aus ethischen Beweggründen

Gegner der Methode kritisieren den Test als unethisch, weil Embryos zerstört werden könnten, die später möglicherweise gar nicht erkrankten. Selbst bei einer späteren Erkrankung, so ein weiteres Argument, würde der entstehende Mensch zuvor jahrzehntelang ein gesundes Leben gehabt haben. "Es wird in naher Zukunft andere Heilungsmethoden für Brustkrebs geben", argumentiert Josephine Quintavalle von der Embryonenschutz-Organisation Comment on Reproductive Ethics in der "Times", "eine, die nicht den Träger eliminieren muss, anstatt die Krankheit zu heilen."

Die Ärzte der betroffenen Klinik, dem University College Hospital in London, hatten vor ihrer Entscheidung ein Jahr lang Tests durchgeführt, um Klarheit über die Ursachen der Krebserkrankungen zu erhalten. Paul Serhal, medizinischer Direktor des University College Hospitals in London, rechtfertigte deshalb den Schritt: "Wir reden hier von einem Killer, der Generation um Generation die Frauen auslöscht", erklärte er gegenüber der "Times".

Bereits im vergangenen Jahr hatte die "Times" von Großbritanniens erstem Designer-Baby berichtet, das als Embryo nach Genen für vererbbaren Krebs gescannt wurde. Das Baby kam gesund zur Welt - ohne das Gen ihrer Mutter mit einem um 90-prozent erhöhten Risiko für einen Augentumor. In Deutschland ist die PID verboten.

joh

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