Berlin - Das Kantinenessen in Deutschland soll besser werden, und überhaupt sollen die Deutschen sich gesünder ernähren. "Bereits 26 Prozent der Bevölkerung essen einmal täglich auswärts, das sind acht Prozent mehr als vor zehn Jahren", heißt es in einem Eckpunkte-Papier zum Aktionsplan Ernährung der Bundesregierung, das der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vorab vorliegt.
Am morgigen Mittwoch will das Bundeskabinett beraten, wie das Essen in Schulen, Kindergärten, Unternehmen und Kliniken ausgewogener und gesünder werden könnte. Es handelt sich dabei um keine rein lukullisch motivierte Maßnahme: Krankheiten durch falsche Ernährung verursachen jährlich rund 70 Milliarden Euro Kosten. Diese Zahl, so verlautete vorab, haben Verbraucherschutzminister Horst Seehofer (CSU) und Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) in den Entwurf hineingeschrieben.
Vor allem der Trend zum Übergewicht bei Kindern soll gestoppt werden. Vorab sagte die CDU-Verbraucherschutzpolitikerin Julia Klöckner im "Deutschlandfunk": Sie sei besorgt über die hohen Quoten Übergewichtiger in Deutschland. Bei den 3- bis 17-Jährigen seien es etwa 15 Prozent, bei den Erwachsenen sogar 42 Prozent der Frauen und 58 Prozent der Männer. Gleichzeitig gebe es bei Mädchen zwischen 9 und 13 Jahren häufig Magersucht. "Die Schere geht sehr, sehr auseinander", sagte Klöckner.
Mit Cola und Schokolade zur Schule
Viele Kinder und Jugendliche wüssten wenig über Ernährung. Schüler kämen mit einem Schokoriegeln und Süßbrause als Frühstück in die Schule. "Es ist sehr traurig", sagte Klöckner. "Die Zunahme von Übergewicht und Fettleibigkeit stellt vor allem auf Grund der gesundheitlichen Folgewirkungen ein ernstzunehmendes gesellschaftliches Problem dar", hatte Bundesverbraucherschutzminister Horst Seehofer (CSU) bereits im April gesagt und den Aktionsplan angekündigt, der jetzt vorgestellt werden soll.
Forscher weisen jedoch darauf hin: Reine Aufklärungsaktionen bringen wenig, evolutionär gesehen widerspricht maßvolle, gesunde Ernährung geradezu unserer Veranlagung.
Nur wenn die Umstände sich änderten, könnte der Mensch seine Gier nach Fett, Zucker und großen Mengen überwinden. Damit jedoch wären erhebliche Einschnitte in den freien Markt verbunden - etwa Werbe- und Verkaufsverbote.
Wie wichtig ausgewogene Ernährung jedoch sein kann, hatten Potsdamer Forscher erst Ende April betont, als sie Zwischenergebnisse einer europäischen Langzeitstudie zum Zusammenhang zwischen Essensgewohnheiten und Krebswahrscheinlichkeit vorstellten: So kann etwa der regelmäßige Verzehr von Obst das Risiko für bestimmte Krebsarten senken.
stx/AP/dpa
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