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Legendäres Bauwerk Forscher enträtseln Alexanders Tyrus-Trick

2. Teil: Mutter Natur hatte das Schicksal der Stadt schon längst besiegelt. Alexanders Holzdamm beschleunigte den Anschluss von Tyrus an die Küste - und ermöglichte ein blutiges Gemetzel.

Das Schicksal der Stadt wäre damit bereits besiegelt gewesen, als sich Alexander entschloss, mit seinem Heer gegen Persien zu marschieren. Die phönizischen Städte an der Ostküste des Mittelmeeres - darunter auch Tyrus - waren dem persischen Herrscher Darius III. gegenüber tributpflichtig und dienten ihm als Marinebasis. Ihre Einnahme war somit für die Griechen von entscheidender strategischer Bedeutung. Die Städte Aradus, Byblos und Sidon ergaben sich ohne Widerstand den Eroberern und stellten ihre Flotten unter das Kommando Alexanders. Die Tyrener dagegen verschanzten sich auf ihrer vermeintlich sicheren Insel.

Anfangs konnten die widerspenstigen Städter ihre gut ausgerüsteten Kriegsschiffe gegen Alexanders Dammbauer einsetzen. Die Griechen hatten es nicht einfach. Sie mussten ungeschützt von Land aus arbeiten und massenweise Material heranschleppen. "Wahrscheinlich hat Alexander zumindest teilweise auf einheimische Fachkräfte zurückgreifen müssen", sagte Reinhard Stupperich vom Institut für Klassische Archäologie der Universität Heidelberg zu SPIEGEL ONLINE. "Bereits die mit ihm verbündeten Phönizier könnten bei der Beschaffung von geeignetem Baumaterial aus dem Hinterland behilflich gewesen sein" - und damit vor über 2000 Jahren die Form des heutigen Tyrus bestimmt haben.

Weicher Damm für schwere Kriegsmaschinen

Denn das Bauwerk, so die gängige Interpretation, blockierte parallel zur Küste verlaufende Meeresströmungen. So lagerten sich dort innerhalb von kurzer Zeit enorme Mengen Sand und Ton ab. Eine breite Landzunge entstand, später bildeten sich sogar Dünen. Die meisten nun gefundenen Sedimente stammten aus dem Fluss Litani, der etwa neun Kilometer nördlich von Tyrus ins Meer mündet. Wasserbauexperten glauben: Früher oder später wären das Material ohnehin hier gelandet.

"Es ist gut möglich, dass die Landbrücke auch ohne Alexanders Damm entstanden wäre", erklärt der Wasserbau-Spezialist Thijs van Kessel vom niederländischen Ingenieursbüro WL Delft Hydraulics. "Natürliche Ablagerungsprozesse können dazu ausreichen. Abgesehen davon wäre ein 'weich' konstruierter Damm bald wieder erodiert." Nur mit massiven Steinblöcken hätte Alexander seiner Ansicht nach einen dauerhafteren Einfluss auf die Küstenlinie nehmen können - darauf haben Marriner und seine Kollegen aber keine Hinweise gefunden.

Dem Großen ging es nicht um Landschaftsgestaltung, sondern um Eroberung. Erst nachdem eine Flottenverstärkungen eingetroffen war, konnten Alexanders Truppen den Damm - unter den Bedingungen der Belagerung musste alles schnell gehen, für Ewigkeitsarchitektur war keine Zeit - vollenden. Er diente einzig dem Zweck, schwere Kriegsmaschinen an die Mauern der widerspenstigen Insel heranzurollen und die Stadt endlich zu stürmen. Nun brach sich die Ungeduld von sieben Monaten in Wut Bahn: Den klassischen Quellen über das Gemetzel zufolge kreuzigten die Griechen 2000 tyrenische Krieger, 30.000 Einwohner wurden als Sklaven abgeführt.

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