Washington - "Ein Freund, der sich seltsam verhält" lautete der Titel einer Ausstellung über den Klimawandel in der Arktis ("Arctic: A Friend Acting Strangely"). Über das Motto der Schau im renommierten Smithsonian's National Museum of Natural History in der US-Hauptstadt Washington kann man streiten. Dass sie ein wichtiges Thema anschneidet, ist hingegen unstrittig. Spüren doch die Bewohner des US-Bundesstaats Alaska, ebenso wie die Kanadas, Grönlands und Sibiriens längst, wie sich ihre Heimat verändert.
Das Thema ist politisch hochbrisant. Schon haben Ureinwohner der Arktis die US-Regierung verklagt, weil sie nicht genug gegen den Ausstoß von Klimagasen unternehme. Tierschützer haben den bedrohten Eisbären zur Ikone für die Umweltfolgen des Klimawandels auserkoren. Und in Alaska müssen die ersten Siedlungen umziehen. Ein aktuelles, lebensnahes Thema für ein Naturkundemuseum also.
Doch nachdem "Arctic" im April 2006 mit sechsmonatiger Verspätung eröffnet worden war (die Ausstellung dauerte bis November 2006), schied ihr Kurator Robert Sullivan aus. Mit der Kündigung habe er einer Versetzung zuvorkommen wollen, sagte Sullivan nun zu Reportern. Er wirft der Museumsleitung vor, bei der Vorbereitung zur Arktis-Ausstellung Selbstzensur geübt zu haben: Aus politischen Gründen seien Aussagen abgeschwächt haben.
Unter anderem, sagte Sullivan, seien Grafiken geändert worden, "um zu zeigen, dass sich die globale Erwärmung auch in die andere Richtung entwickeln kann". Außerdem sei der offizielle Text zur letztjährigen Ausstellung so geändert worden, dass darin der Einfluss des Menschen auf die globale Erwärmung unsicherer erschienen sei. Sullivan verglich seinen Versuch, ernsthafte Wissenschaft ohne Verharmlosung in die Ausstellung einzubringen, als nervenaufreibendes Unterfangen.
Selbstzensur aus Angst vor dem Weißen Haus?
Die Smithsonian-Leitung wies die Vorwürfe zurück und erklärte, die Änderungen seien aus Gründen der Objektivität erfolgt. Mehrere beratende Wissenschaftler seien nicht der Ansicht gewesen, dass etwas Wesentliches unterschlagen worden sei.
Sullivans Vorwurf an seine ehemaligen Vorgesetzten lautet nun Selbstzensur. Seines Wissens habe kein Mitglied der Bush-Regierung Druck auf die Smithsonian Institution ausgeübt.
Direkter Einfluss von Seiten des Weißen Hauses war allerdings in den letzten Jahren von Klimaforschern angeprangert worden. Unter anderem hatte Nasa-Forscher James Hansen von Versuchen berichtet, ihn mundtot zu machen. Ende vergangenen Jahres protestierten 10.000 Wissenschaftler, die in der Union of Concerned Scientists organisiert sind, gegen Gängelungen durch die Bush-Regierung. Sie machten eine Liste mit Beispielen von A-Z öffentlich.
Wollten die Smithsonian-Oberen in diesem Meinungsklima einen Konflikt mit der offiziellen Linie der US-Regierung, die den Einfluss des Menschen auf das Klima lange vollständig bestritt, vermeiden?
Schon früher Kritik wegen politischer Rücksichtnahme
Die Smithsonian Institution mit ihrem Jahresbudget von umgerechnet 820 Millionen Euro wird überwiegend aus Steuermitteln finanziert. Die Sorge um die nächste staatliche Förderung sei so stark gewesen, sagte Sullivan, "dass alles, was den Kongress oder das Weiße Haus hätte verärgern können, ganz genau unter die Lupe genommen wurde." Kristen Hellmer, Sprecherin des Weißen Hauses, sagte: "Das Weiße Haus hat in dieser Ausstellung keine Rolle gespielt."
Es ist nicht das erste Mal, dass die Smithsonian Institution sich dem Vorwurf ausgesetzt sieht, politischen Erwägungen einen Einfluss auf Ausstellungen einzuräumen:
Ex-Kurator Sullivan beschuldigte unter anderem den damaligen Museumsdirektor Christian Samper. Dieser antwortete der Nachrichtenagentur AP in einer E-Mail: "Unsere Rolle als Museum ist es, die Tatsachen darzustellen, aber nicht einen speziellen Standpunkt." Randall Kremer, Sprecher des Natural History Museum, sagte: Atmosphärenforschung gehöre nicht zur Expertise des Museums, daher habe man die Frage vermieden, was den Wandel in der Arktis verursache.
stx/AP
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