Wenn man immer häufiger Dinge vergisst, sollte man nicht strikt auf Alkohol verzichten. Dies ist das verblüffende Ergebnis einer Untersuchung von Hirnforschern der Universität Bari. Vincenzo Solfrizzi und seine Kollegen hatten über einen Zeitraum von dreieinhalb Jahren die Entwicklung von mehr als 1.400 Senioren im Alter zwischen 64 und 84 Jahren beobachtet, darunter 121 Personen mit einer leichten kognitiven Beeinträchtigung - einer Vorstufe zur Demenz.
Die Forscher erfassten unter anderem die Trinkgewohnheiten der Studienteilnehmer. Wie Solfrizzi und seine Kollegen im Fachblatt "Neurology" (Bd. 68, S.1790) berichten, verlangsamte der tägliche Konsum von knapp einem alkoholischen Getränk, in der Regel Wein, die Entwicklung einer Demenz um 85 Prozent.
Worauf dieser Effekt beruht, ist bisher nicht bekannt. Die Wissenschaftler vermuten, dass der Alkohol die Blutgefäße im Gehirn günstig beeinflusst. Der Konsum größerer Mengen Alkohol, also ab einem Glas pro Tag, verzögerte das Einsetzen einer Demenz dagegen nicht.
Im Jahr 2004 hatte ein schwedisch-finnisches Wissenschaftlerteam bereits ähnlichen Schlussfolgerungen aus einer Studie mit etwa tausend Freiwilligen gezogen. Diese hatten in den siebziger Jahren an einer Studie zum Thema Altern und Demenz teilgenommen und waren 20 Jahre später von den Forschern erneut befragt und untersucht worden. Ergebnis: Sowohl Vieltrinker als auch Abstinenzler hatten ein deutlich erhöhtes Risiko für eine geistige Beeinträchtigung im Alter - Trinken in Maßen schützt vor Demenz.
hda/AP
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