Von Joachim Hoelzgen
Die Kinder wirken wegen des Opiumrauchens abgemagert und schemenhaft wie Junkies in einem Hamburger oder Berliner U-Bahnhof, und auch die Falten in den Gesichtern der Frauen zeugen von harten Erfahrungen. Die Süchtigen unter ihnen haben Asthma und Reizhusten, was zusammen mit mangelnder Hygiene, dem Opiummissbrauch und der damit einhergehenden Schwächung des Immunsystems verheerende Folgen hat.
Denn Badakhshan, so hat das Afghanistan-Büro des sogenannten Uno-Bevölkerungsfonds (UNFPA) in Kabul herausgefunden, verzeichnet weltweit auch die höchste Müttersterblichkeit. Im Verlauf der Schwangerschaft, bei der Entbindung oder im Wochenbett kommen 6500 Mütter, bezogen auf 100.000 Geburten, ums Leben. Im Ländervergleich führt das afrikanische Sierra Leone mit 2000 Sterbefällen die Statistik an, gefolgt von Gesamt-Afghanistan (1900) und dann Malawi (1800).
Und ähnlich wie bei Süchtigen im Westen vertieft die Abhängigkeit von Opium die Armut der afghanischen Frauen. Bibi Mullah aus dem Badakhshan-Distrikt Yamgan zum Beispiel gibt täglich 200 Afghani aus, um Opium zu kaufen. Das entspricht drei Euro und ist das Doppelte von dem, was ein afghanischer Arbeiter am Tag im Straßenbau verdient. Bibi Mullah hat ein Landerbe veräußern müssen und steht nun mit leeren Händen da.
Neue Rekordernte
Es ist nicht so, dass sich niemand um die Menschen im unterentwickelten Badakhshan kümmert, in dem 1,11 Millionen Menschen leben. Doch die gebirgige Provinz ist fast so groß wie Niedersachsen, und zum Arzt braucht es etwa von Jokhan aus zwei Tage - zu Fuß oder auf dem Rücken eines Esels. Selbst die Bundeswehr benötigt mit ihren Fahrzeugen bis zu zehn Stunden, um von der Nachbarprovinz Kunduz nach Faizabad zu gelangen, der Hauptstadt von Badakhshan.
Dabei können die Wiederaufbauteams der Deutschen stolz sein, dass der Schlafmohnanbau in ihren Provinzen zurückgeht. Es sind die einzigen Afghanistans, in denen das der Fall ist. Im umkämpften Süden und Osten des Landes ist dagegen schon wieder eine Rekordernte eingefahren worden.
Und trotzdem stehen in Badakhshan selbst die Drogenbekämpfer der Uno auf verlorenem Posten. Flugblattkampagnen sind unmöglich, da im Hinterland kaum jemand lesen kann. Und auch alle Versuche, die Opiumsüchtigen zu entwöhnen, sind bisher gescheitert. Sanitäter und Ärzte der Uno haben bisher 3730 Süchtige behandelt. Doch alle haben nach der Rehabilitation von neuem mit dem Opiumrauchen begonnen.
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