Fontainebleau - Historiker schätzen den Säbel wegen der Überlieferung aus der Schlacht von Marengo. Für Auktions-Insider ist hingegen schon die schiere Summe bedeutend, für welche die Waffe des Feldherren versteigert wurde: 4,8 Millionen Euro, das sei Weltrekord für eine Waffe und für ein Andenken an den ersten französischen Kaiser, teilte das Auktionshaus Osenat in Fontainebleau bei Paris mit. Vor der Auktion war die Waffe aus blauem Stahl mit Elfenbeingriff auf 1,5 Millionen Euro veranschlagt worden. Es handelt sich dabei um den letzten Säbel Napoleons, der sich noch in Privatbesitz befand. Die Identität des Käufers gab das Auktionshaus nicht preis.
Der Legende nach war Napoleon bei der Marengo-Schlacht mit seinem Säbel in der Hand zur Front gezogen, um seinen Soldaten angesichts einer drohenden Niederlage Mut zu machen. Als die Niederlage schon absehbar gewesen, habe der kleine Feldherr einen Hügel erklommen und mit gezücktem Säbel seine Soldaten angefeuert. Schließlich konnten die Truppen Bonapartes die österreichische Armee bei dem Waffengang in Norditalien im Juni 1800 entscheidend zu schlagen.
Die 97 Zentimeter lange Waffe war ihm von seinem Brüder Jérôme, dem späteren König von Westfalen, geschenkt worden. Die "sehr schöne, geschwungene Damaszener-Klinge" (so das Auktionshaus) besteht vermutlich aus Solinger Stahl. Hergestellt wurde der Säbel von der Versailler Manufaktur nach einem Entwurf von Nicolas Noël Boutet. Seit den Tagen Napoleons waren der Säbel und die mit ihm zusammen angebotene Scheide aus Holz und Leder stets im Familienbesitz geblieben.
Säbel darf nicht aus Frankreich ausgeführt werden
Die reich verzierte Waffe trägt die Aufschrift "Sabre de Napoleon le Grand à la bataille de Marengo" (Säbel von Napoleon dem Großen bei der Schlacht von Marengo). "Der Säbel ist eine Kriegswaffe und ein wunderschönes Kunstwerk zugleich", erklärte Auktionator Jean-Pierre Osenat.
Die Auktion fand am Schloss von Fontainebleau südlich von Paris statt. Der Säbel wurde 1978 zum nationalen Kulturgut erklärt, weswegen er auch künftig nicht außer Landes gebracht werden darf. Napoleon übergab das Kunstwerk ein Jahr nach seiner Krönung zum Kaiser an seinen Bruder Jérôme, dem späteren König von Westfalen. Die Waffe war bislang das Eigentum von acht direkten Napoleon-Nachkommen.
Eine gewisse geschichtliche Bedeutung ist daher mit der teuer versteigerten Waffe verbunden, weil Bonapartes Sieg bei Marengo - zur Zeit der Schlacht war er noch 1. Konsul - nicht nur die entscheidende Schlacht im zweiten Koalitionskrieg gegen die Österreicher darstellte. Er festigte auch Bonapartes Ruf, obwohl tatsächlich erst ein Entlastungsversuch von Louis-Charles-Antoine Desaix mit 5000 zusätzlichen Soldaten die Wende in die Schlacht brachte. Desaix wurde in deren Verlauf tödlich verwundet. 1805 ließ sich Bonaparte zum Kaiser krönen.
Wissenschaftler stehen Auktionen von historischen Artefakten oder naturhistorischen Fundstücken oft skeptisch gegenüber, weil durch die Preise im Kunst- und Sammlerhandel oft Fundstücke so teuer werden, dass Museen und andere Forschungsinstitutionen das Nachsehen haben.
stx/AFP/AP/dpa
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