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Alkohol-Umfrage Deutschlands Teenager greifen häufiger zur Flasche

Experten schlagen Alarm: Der Alkoholkonsum von Deutschlands Minderjährigen nimmt nach Jahren wieder zu - trotz der Debatte um Flatrate-Saufen, Koma-Tote und das Suchtpotential der Alltagsdroge Nummer eins.

Berlin - Nach einem Rückgang in den vergangenen Jahren trinken Minderjährige in Deutschland wieder mehr Alkohol. Das geht aus einer Umfrage hervor, die von der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Sabine Bätzing (SPD), vorgestellt wurde. "Wir brauchen eine größere Verantwortung in der Bevölkerung gegenüber riskantem Alkoholkonsum", sagte sie.

22 Prozent der 12- bis 17-Jährigen trinken regelmäßig einmal in der Woche Alkohol. 2005 war der Anteil auf 19 Prozent (2004: 21 Prozent) zurückgegangen. Für den Zeitraum von 2005 bis zum Frühling 2007 zeigt die Studie nicht nur bei den Jugendlichen insgesamt, sondern auch bei allen Untergruppen (Jungen, Mädchen, unterschiedliche Altersgruppen) einen Zuwachs.

Besonders aber bei den 16- bis 17-jährigen Jungen hat der Alkoholkonsum demnach zugenommen: Sie trinken etwa 150 Gramm reinen Alkohol pro Woche, im Jahr 2005 waren es noch 108 Gramm. Das entspreche zwei Gläsern alkoholischer Getränke an jedem Tag der Woche, sagte Elisabeth Pott, Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).

Das Meinungsforschungsinstitut Forsa hatte im Auftrag der BZgA von Anfang Januar bis Ende Februar telefonisch 3600 zufällig ausgewählte Jugendliche im Alter von 12 bis 17 Jahren zu ihrem Trinkverhalten befragt. Die Ergebnisse der Studie sind online abrufbar.

Auch das übermäßige Trinken nimmt der Erhebung zufolge zu: Jeder zweite Jugendliche im Alter von 16 bis 17 Jahren gab Anfang 2007 an, im Vormonat mindestens an einem Tag fünf oder mehr Gläser Alkohol getrunken zu haben. 2005 hatte dieser Wert noch bei 40 Prozent gelegen (siehe Tabelle).

Jugendliche Vieltrinker
Jahr Zusammen Jungs Mädchen
Alle 2004 26 19 13
2005 24 15 20
2007 31 20 26
12 bis 15 Jahre 2004 14 12 13
2005 11 7 9
2007 13 11 12
16 bis 17 Jahre 2004 52 33 43
2005 48 31 40
2007 63 37 51
Prozentangaben der Jugendlichen, die binnen der letzten 30 Tage mindestens einmal fünf Gläser oder mehr konsumiert haben.
(Quelle: "Alkoholkonsum der Jugendlichen 2004 bis 2007", BZgA, Juni 2007)

Bätzing führt dies auch auf die Vorbildwirkung der gesamten Gesellschaft zurück. "Denn Kinder und Jugendliche folgen in ihrem Trinkverhalten dem, was sie Tag für Tag beobachten und erleben können", sagte sie. Deutschland habe ein Alkoholproblem. "Wir haben hier die Situation, dass einfach zu viele Menschen zu viel und zu regelmäßig Alkohol trinken", hatte Bätzing bereits am Montag im WDR gesagt. Ein Pro-Kopf-Konsum von 10,3 Litern reinem Alkohol sei einfach zu viel. Der Appell im Fernsehen steht im selben Kontext wie die heutige Pressekonferenz: Zusammen mit der BZgA hat Bätzing eine "Suchtwoche" initiiert, in der vom 14. bis 18. Juni mit Informationsveranstaltungen vor übermäßigem Trinken gewarnt wird - aus aktuellem Anlass.

Spektakulärer Todesfall

Ende März war in Berlin ein 16-jähriger Gymnasiast gestorben, nachdem er durch exzessiven Tequila-Konsum ins Koma gefallen war. Angeblich soll der Minderjährige 52 Gläser getrunken haben. Der Fall sorgte für großes Aufsehen. Die sogenannten All-you-can-drink-Partys - auch schlicht Flatrate-Saufen genannt - gerieten in die Kritik.

Im Interview mit SPIEGEL ONLINE sagte damals die Berliner Drogenbeauftragte Christine Köhler-Azara: "Es ist wirklich beunruhigend, wie planvoll heutzutage manche Jugendliche Alkohol einsetzen, um ganz bestimmte Gefühle hervorzurufen oder sich in Stimmung zu versetzen." Sie fügte hinzu: "Da hat sich etwas in den letzten Jahren verändert." Die Mode Komasaufen bezeichnete sie als "eine Art Wohlstandsverwahrlosung".

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insgesamt 1595 Beiträge
inci 10.03.2007
das ist eher ein ganz "alter" trend, auch ich und meine freunde haben in teeniezeiten dem alkohol gelegentlich recht heftig zugesprochen, und das nicht nur während des karnevals. die in den letzten tagen und [...]
Zitat von sysopSaufen bis der Arzt kommt - der Trend nimmt unter Jugendlichen in ganz Deutschland zu. Hilft nur ein Alkoholverbot?
das ist eher ein ganz "alter" trend, auch ich und meine freunde haben in teeniezeiten dem alkohol gelegentlich recht heftig zugesprochen, und das nicht nur während des karnevals. die in den letzten tagen und wochen hochgekochte dringlichkeit ist lediglich phase I in der strategie von herrn kyprianou, europas bürger dank gesundheitskontrolle unsterblich zu machen. und wie man sieht, haben wir schon die diskussion zu dem thema.
Roller 10.03.2007
Wie man aus der Vergangenheit weiss, sind Verbote nicht sehr effektiv. Warum stellt man nicht erstmal die Alkohol Werbung ein und verhindert gesetzlich, dass Jugendliche ab 16 sich legal mit Bier besaufen koennen? Es kann [...]
Zitat von sysopSaufen bis der Arzt kommt - der Trend nimmt unter Jugendlichen in ganz Deutschland zu. Hilft nur ein Alkoholverbot?
Wie man aus der Vergangenheit weiss, sind Verbote nicht sehr effektiv. Warum stellt man nicht erstmal die Alkohol Werbung ein und verhindert gesetzlich, dass Jugendliche ab 16 sich legal mit Bier besaufen koennen? Es kann doch auch nicht sein, dass nachmittags das Kinderprogramm mit Alkoholwerbung zugepflastert wird. An Hand der Gesetze kann man doch schon sehen, wer in Deutschland das Sagen hat: Autoindustrie,Pharmaindustrie und Jägermeister + Co. Gruss Roller
GeneralPatton 10.03.2007
Sowas gabs doch schonmal in den 30ern. Da hatte es auch nicht geholfen, ja sogar einige ziemlich üble Nebeneffekte. Verbote helfen da gar nichts. Ich trink ja selber auch hin und wieder gerne einen über den Durst, aber dann [...]
Sowas gabs doch schonmal in den 30ern. Da hatte es auch nicht geholfen, ja sogar einige ziemlich üble Nebeneffekte. Verbote helfen da gar nichts. Ich trink ja selber auch hin und wieder gerne einen über den Durst, aber dann gehts mir am nächsten Tag beschissen und ich halt mich für die nächste Zeit davon fern. Scheint fast so als sei manchen Menschen in dieser Hinsicht der gesunde Menschenverstand abhanden gekommen.
vaikl 10.03.2007
Es gibt 2 Alternativen zum Alkoholverbot: 1.) Man überlässt diese vollhorstigen Komasäufer sich selbst, leistet weder Erste Hilfe noch Therapie und bittet die Eltern/Angehörigen wg. der Sekundärschäden zur Kasse oder 2.) Man [...]
Es gibt 2 Alternativen zum Alkoholverbot: 1.) Man überlässt diese vollhorstigen Komasäufer sich selbst, leistet weder Erste Hilfe noch Therapie und bittet die Eltern/Angehörigen wg. der Sekundärschäden zur Kasse oder 2.) Man bürdet *alle* primären und sekundären Kosten, die der Gesellschaft aufgrund von ärtzlicher Notfallversorgung, Blockierung von Notfallaufnahmeplätzen, Krankenhausbetten und Therapieplätzen, Unfallschäden, Versorgung von Verkehrsopfern, polizeilichen Ermittlungen und Gerichtskosten entstehen, den Komasäufern *allein* auf, weil man in solchen Fällen nicht mehr auf Unzurechnungsfähigkeit plädieren darf.
JoergB 10.03.2007
Ja genau, sofort alles verbieten was einem irgendwie Kopfzerbrechen bereitet. Das ist am einfachsten...
Ja genau, sofort alles verbieten was einem irgendwie Kopfzerbrechen bereitet. Das ist am einfachsten...
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