Von Volker Mrasek
Die Lettern dick und schwarz, die Botschaften finster: "Raucher sterben früher", "Rauchen kann töten" und sogar "zu einem langsamen und schmerzhaften Tod führen". Warnungen wie diese sollten nach Meinung von Medizinern nicht nur auf Zigarettenschachteln prangen, sondern auch auf den Etiketten von Bier-, Wein- und Schnapsflaschen.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat von einer internationalen Expertengruppe das Krebsrisiko durch den Genuss alkoholischer Getränke jetzt neu bewerten lassen. Das Ergebnis, veröffentlicht im medizinischen Fachblatt "Lancet Oncology" (Bd. 8, April 2007, S. 292), könnte selbst diejenigen nachdenklich stimmen, die zwar täglich, aber maßvoll trinken. Erst recht dürfte es all jene aufschrecken, die gleichzeitig rauchen.
Nach dem Urteil des Fachgremiums sind Alkoholika durchweg als krebserregend anzusehen - ganz gleich, ob Korn, Bier oder Perlwein. Zudem ist die Liste der mit Trinkalkohol (Ethanol) ursächlich in Verbindung stehenden Tumoren länger geworden. Sie umfasst jetzt nicht mehr nur Zungen-, Rachen-, Kehlkopf-, Speiseröhren- und Leberkrebs, wie noch vor 19 Jahren, als das WHO-Krebsforschungsinstitut (IARC) letztmals eine Monografie zu alkoholischen Getränken vorlegte. Jetzt machen die Experten den Alkohol auch für Dickdarmkrebs und Brustkrebs verantwortlich. Nach Daten des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) zählen diese beiden Erkrankungen zu den Krebsarten mit den höchsten Sterblichkeitsraten hierzulande (siehe Grafik).
Heilsame Wirkung contra Krebsrisiko
Das Krebsrisiko erhöht sich laut der WHO selbst bei moderatem Alkoholkonsum. Und es potenziere sich, wenn zum täglichen Trinken noch das Rauchen komme. "Wer Alkohol trinkt, sollte das maßvoll tun und unter keinen Umständen rauchen", warnt IARC-Direktor Peter Boyle.
Die insgesamt 26 Experten aus 15 Ländern verhehlen nicht, dass Prozenthaltiges auch positive gesundheitliche Wirkungen haben kann. Im Alter etwa mindert der tägliche Schoppen Wein oder ein Schluck Korn das Risiko für Herz-Kreislauf-Leiden. Nach Würdigung der vorliegenden Fachliteratur kommen die Gutachter sogar selbst zu dem Schluss, dass Alkohol die Gefahr, an Nierentumoren oder sogenannten Non-Hodgkin-Lymphomen zu erkranken, eher verringert. Doch dem stellen sie die schwere Hypothek anderer Krebsarten gegenüber, die nach Lage der Dinge von Ethanol verursacht werden können.
"Die meisten Sorgen macht uns das Mamma-Karzinom", sagt Helmut Karl Seitz, Ärztlicher Direktor der Akademischen Lehrklinik der Universität Heidelberg. Bei der Brustkrebs-Erkrankung von Frauen gebe es "die stärkste Assoziation zum Alkoholkonsum, was aber in der Öffentlichkeit zu kurz kommt", erklärte Seitz, der zum 26-köpfigen Gutachterteam in WHO-Diensten gehörte.
Es sei nicht möglich, eine Unbedenklichkeitschwelle für die Ethanol-Aufnahme durch Frauen anzugeben. Schon zehn Gramm am Tag könnten unter Umständen zu viel sein. "Das ist weniger als ein Achtelliter Wein", sagt der Gastroenterologe und Präsident der Europäischen Alkoholforschungsgesellschaft. Pro weitere zehn Gramm Ethanol steigt das Brustkrebsrisiko laut Seitz um acht Prozent.
Dutzende medizinische Studien ausgewertet
Die WHO-Beauftragten durchforsteten die aktuelle Fachliteratur und urteilten auf der Basis von mehreren Dutzend, zum Teil sogar über hundert Studien für jede einzelne betrachtete Sorte Gewebetumor. Was sie daraus ableiteten, liest sich so: Wer täglich 50 Gramm Trinkalkohol zu sich nimmt (was in etwa zweieinhalb Gläsern Wein oder 1,2 Litern Bier entspricht), trägt ein zwei- bis dreimal höheres Risiko für Kehlkopf-, Rachen- und Speiseröhrenkrebs als ein abstinenter Zeitgenosse. Bei Dickdarmkrebs steigt die Gefahr auf das 1,4-, bei Brustkrebs das 1,5-Fache.
Richtiggehend dramatisch wächst die Gefahr aber erst bei gleichzeitigem Alkohol- und Tabakkonsum.
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Warnhinweise bewirken oft das Gegenteil. Eindeutiger Beweis: Vorsicht frische Farbe, bitte nicht berühren. Klingelts?? Und wer zählt die vielen Fingerabdrücke? mehr...
Dazu sind Drogen da: "Natürliche Auslese". mehr...
Ich rauch nicht mehr und bin froh darüber aber die Verschandelung von Etiketten und Verpackungen kotzt mich an, diese optische Umweltverschmutzung bringt wahrscheinlich mehr Menschen um als die gebrandmarkten Produkte selbst. [...] mehr...
Wenn man schon Warnhinweise wie "Mein Kind will keinen Alkohol" auf Flaschen druckt, muss einem eigentlich angst und bange werden. http://drogenguide.blogspot.com/2011/01/alkohol-in-der-schwangerschaft.html mehr...
Vor 4 Jahren habe ich das rauchen Aufgegeben - aus Tausend Gründen. Aber nicht einer davon hatte etwas mit den Warnungen auf der Packung zu tun. "Rauchen kann ihre Zigarette verkürzen" ist der einzige - mir heute noch [...] mehr...
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