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Synthetisches Leben Genetiker stecken Erbgut in fremden Körper

Es ist ein wichtiger Schritt zur Billionen-Dollar-Mikrobe. Erstmals haben Forscher ein Genom transplantiert und damit aus Organismen einer Spezies eine andere gemacht. Kollegen applaudieren dem "Kunststück". Auch weil es als Schlüsseltechnik hin zum künstlichen Leben gilt.

"Was ist das?" - "Das ist blaues Licht." - "Und was macht das?" - "Es leuchtet blau." Dieser Dialog-Klassiker aus dem Achtziger-Jahre-Actionfilm "Rambo 3" beschreibt ganz gut, was das Bakterium Mycoplasma capricolum in der Petrischale von John Glass auszeichnet. Die formlose Mikrobenkultur schimmert bläulich, das ist hübsch anzusehen und wäre weiter keiner Meldung wert. Denn seit Jahren fügen Genforscher kleine DNA-Schnipsel in Mikroorganismen ein, um ihnen besondere Fähigkeiten zu verleihen. Eine solche Sequenz macht M. capricolum jetzt eben zum Glühwürmchen - es leuchtet blau.

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Doch tatsächlich ist das Bakterium - in der Natur findet man es als Krankheitserreger bei Ziegen - das Ergebnis der wohl drastischsten Transplantation in der Geschichte der Genetik. Es handelt sich um den ersten Organismus, dem das Erbgut einer anderen Spezies eingebaut wurde.

Der verwandten Mikrobe Mycoplasma mycoides hatten die Wissenschaftler "das gesamte Genom in Form nackter DNA" entnommen und in M. capricolum eingepflanzt. Das berichten Glass und sieben andere Genforscher in einer Online-Vorabveröffentlichung der Wissenschaftszeitschrift "Science". Die schlichte Überschrift ihres Forschungsartikels lautet: "Aus einer Spezies eine andere machen."

Was hat da also geleuchtet? M. capricolum, das Bakterium, von dem die Zellen kamen? Oder M. mycoides, jener Mikroorganismus, dem Glass zuerst die Fähigkeit zum Farbtrick einpflanzte und ihm dann das Erbgut raubte? Am ehesten wohl ein quasi-synthetisches Mischlebewesen. Ganz klar ist die Begrifflichkeit nicht.

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Anders sieht es in der Bewertung des "außergewöhnlichen technischen Kunststücks" aus, wie Antoine Danchin vom renommierten Pariser Institut Pasteur es nennt. "Ein notwendiger Schritt hin zum künstlichen Leben", sagte der Mikrobiologe Frederick Blattner von der University of Wisconsin in Madison. Ein "bemerkenswerter und unerwarteter Fortschritt" sei das, lobte der Genetiker Robert Holt vom Michael Smith Genome Sciences Centre im kanadischen Vancouver.

Technisches Kunststück - künstliches Leben?

Künstliches Leben? Seit Jahren liefern sich Wissenschaftler einen Wettlauf um das sogenannte Minimalgenom, genauer gesagt um einen Mikroorganismus, der mit einer minimalen Anzahl von Genen überlebensfähig ist. Im Januar 2006 hatte eine Forschergruppe um den Nobelpreisträger Hamilton Smith in der Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences" demonstriert, wie eine solche Minimalmikrobe im Prinzip hergestellt werden könnte.

Smith steht neben Glass auch auf der Autorenliste des nun veröffentlichten "Science"-Aufsatzes - und beide forschen am Institut des Gentechnik-Impresarios Craig Venter in Rockville (US-Bundesstaat Maryland). Er zählt ebenfalls zu den Autoren.

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