Von Samiha Shafy
Das Methan wird zweifellos verringert, aber ironischerweise wissen die Forscher noch nicht genau, wie. "Man vermutet, dass die Substanzen toxisch wirken gegen die Protozoen, gegen die Archaebakterien oder gegen beide. Aber es wäre natürlich interessant, genau zu wissen, warum das Zeug so wirkt", sagt Kreuzer.
Immerhin scheint keiner der drei Futterzusätze in der empfohlenen Dosierung größere unerwünschte Nebenwirkungen nach sich zu ziehen. "Das Wichtigste ist, dass es keine Rückstände in der Milch und im Fleisch gibt. Da es sich um natürliche Substanzen handelt, ist die Gefahr geringer als bei anderen Methoden", doziert Kreuzer. In manchen Ländern werde zum Beispiel ein Antibiotikum eingesetzt, um die Methanbildung zu reduzieren - "aber darüber brauchen wir in Europa gar nicht erst zu diskutieren". Auch gentechnisch veränderte Mikroorganismen, die in das Pansenbiotop eingeschleust werden, verbieten sich in Europa.
Theoretisch gäbe es eine andere schlichte Lösung fürs Problem mit den Gasen aus dem Inneren: wenn Kühe mehr Kraftfutter zu fressen bekämen und weniger Gras und Heu. Das Methan entsteht ja vor allem beim Abbau der Zellulose im Grünfutter. Steht eine Kuh den ganzen Tag lang auf der Weide, vertilgt sie 90 bis 130 Kilogramm Gras. Beim Verdauen des stärkereichen Kraftfutters aber setzt das Vieh fast ein Drittel weniger Methan frei. Trotz alledem hält Kreuzer wenig von dieser Alternative: "Dazu bräuchte man irrsinnig große Mengen an Kraftfutter. Wenn man so viel Futter importieren muss, ist das klimaschädlicher, als die Tiere Gras fressen zu lassen."
Andere Wege schlug vor einigen Jahren eine Gruppe Wissenschaftler der australischen Forschungsorganisation CSIRO ein. Sie entwickelten einen Impfstoff gegen die Archaebakterien, den sie an Schafen testeten. Der Erfolg fiel leider bescheiden aus: Nach zwei Injektionen sank der Methanausstoß um laue acht Prozent. Zudem erfasste die Impfung lediglich einen Bruchteil der Archaebakterien im Pansen der Schafe. Nun richten die Australier ihr Augenmerk auf Kängurus - Wiederkäuer, die kaum Methan ausstoßen. Ließen sich die Magenmikroben von Kängurus auf Kühe übertragen, wäre das Problem theoretisch gelöst. "Es wäre natürlich super, wenn ein solcher Versuch funktionieren würde", sagt Kreuzer. Große Hoffnungen macht er sich jedoch nicht.
In der Wissenschaft ist es wie in der Politik: Da es die schöne, große, reine Lösung nicht gibt, bleibt der solide Kompromiss. Wenn denn das Weidevieh Futterzusätze aus Fett, Saponinen und Tanninen fressen würde, ließe sich das Methan weltweit um bis zu 20 Prozent verringern, schätzt Kreuzer. Das Klima hätte etwas davon. Nichts ist aber ohne Nachteil: "Saponine und Tannine sind enorm teuer. Im Moment werden sie nur in quasi homöopathischen Mengen verabreicht, weil man sich eine leistungssteigernde Wirkung davon verspricht", sagt Kreuzer. Sollen Bauern zu Klimaschützern werden, ist es am Staat, zu helfen. "Man müsste die Bauern finanziell entschädigen."
Und die Kuh? Ist nicht amüsiert.
"Die Futterzusätze schmecken halt meistens eher schlecht", sagt Kreuzer und schaut betreten drein. Fette seien Wiederkäuer nicht gewöhnt, Tannine schmeckten bitter "wie eine Tasse Schwarztee", Saponine seien seifig. "Wenn man das den Kühen einfach so ins Futter streut und sagt, fresst's mal schön, das wird schwierig."
Am Ende ist es mit den Kühen wie mit der Billigfliegerei und den Liebhabern der Geländewagen: Niemand gibt gern alte Gewohnheiten auf, nur um die Umwelt zu retten.
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