"Ich halte das für übertrieben", sagte der geschäftsführende Tamu-Präsident Eddie Davis der Tageszeitung "Houston Chronicle". Schließlich arbeite man ja mit den CDC zusammen. "Das ist ganz klar vermasselt worden, aber doch nicht vertuscht."
Im Gespräch mit der Campuszeitung "The Battalion" wurde Davis noch deutlicher: "Es war eine Fehleinschätzung, den zweiten Fall überhaupt zu melden", sagte er. Statt eines einjährigen Verzugs stelle die Coxiella-burnetti-Infektion nämlich überhaupt keine Verletzung der Meldepflicht dar. Zusätzlich zu internen Untersuchungen habe die Universität Gutachter von Außen hinzugezogen - es handelt sich ausgerechnet um ein Team von der benachbarten University of Texas in Houston. Zwischen den beiden Hochschulen wird eine traditionelle Rivalität gepflegt. Doch die Schadensbegrenzung im Hochsicherheitslabor könnte zu spät kommen.
Rennen um das 450-Millionen-Dollar-Biowaffenlabor
Der "Battalion" kommentierte in einem Leitartikel ("Reagenzglas-Zoff") vom heutigen Dienstag: "Davies würde das niemals zugeben, aber das bedeutet wohl, dass A&M aus dem Rennen für das nationale Bio- und Agro-Verteidigungs-Zentrum ist." Tatsächlich nannte der Uni-Präsident solche Spekulation "übertrieben". Bislang hingegen galt die texanische Uni als Top-Kandidat für jene 450 Millionen US-Dollar, welche das Heimatschutzministerium für ein neues Biowaffen-Labor ausgeschrieben hat. Zum Vergleich: Bisher nahm das Labor in College Station lediglich am 18 Millionen US-Dollar leichten Bundesprogramm zur Entwicklung von Impfstoffen gegen biologische Waffen teil.
"Das Heimatschutzministerium will ganz sicher keine schlechte Presse bekommen, die entstünde, wenn A&M den Zuschlag bekäme", lautet die trübe Einschätzung der Uni-Zeitung. Im Laufe dieses Monats will das Ministerium seine Entscheidung treffen. Gleichzeitig wies CDC-Kontrolleurin Gerberding die Uni-Leitung an, sich auf weitere Inspektionen bis Ende Juli einzustellen. Dieses Timing ist denkbar schlecht.
"Es wäre eine große Sache für A&M, den Zuschlag zu erhalten", zitierte der "Battalion" einen Nachwuchs-Biologen, "das kann man sicher mit der Bedeutung der George Bush Library vergleichen." 1997 hatte der ehemalige US-Präsident der Uni eine Bibliothek und ein Museum spendiert. Unter dem Motto "I love America" finden dort am morgigen Mittwoch die - wohl in jeder Hinsicht - verregneten Feiern zum Unabhängigkeitstag statt.
stx
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