Angebliche Kooperationspartner bei der Entwicklung werden nicht namentlich genannt, angeblich bereits mit dem System vertraute Experten, die seine Wahrhaftigkeit bestätigt hätten, ebensowenig. Wie genau man eines der fundamentalen Gesetze der Physik, nämlich jenes, dass Energie nicht erschaffen oder zerstört, sondern nur umgewandelt werden kann, aushebeln will, erklären McCarthy und seine Mitstreiter nur in sehr nebulösen Worten. Den Versuch, die eigenen Erkenntnisse in einer physikalischen Fachzeitschrift zu publizieren, haben sie offenbar nicht unternommen. Auch auf Anfragen von SPIEGEL ONLINE reagierte das Unternehmen bislang nicht.
"Es ist immer denkbar, dass man neue Energie entdeckt"
Der irischen Publikation "Silicon Republic" sagte der Steorn-Chef: "Der Energieerhaltungssatz war 300 Jahre lang sehr verlässlich, aber in der Gleichung fehlt eine Variable, und zwar die Zeit." Die Orbo-Technologie basiere auf der Tatsache, dass Ereignisse in Magnetfeldern nicht unmittelbar geschähen, und deshalb der Zeit nicht in gleicher Weise unterworfen seien wie zum Beispiel die Gravitation. Aus diesem Unterschied schaffe die Orbo-Plattform kontinuierlich Energie - was eben gegen den Energieerhaltungssatz verstößt. Auch McCarthy weiß: "Das ist so ziemlich die größte Behauptung, die man in der Welt von Technologie und Wissenschaft aufstellen kann." Und er fügt ganz unbescheiden hinzu, die einzige Analogie zum eigenen Durchbruch wäre, "wenn sie den absoluten Beweis hätten, dass Gott nicht existiert".
Norbert Treitz, Physiker an der Universität Duisburg, bezweifelt stark, dass die Iren tatsächlich die Gesetze der Physik aus den Angeln heben können. Es hat schon eine Vielzahl von Versuchen gegeben, ein Perpetuum Mobile zu bauen - auch Varianten mit Rädern und Magneten sind schon einige ausprobiert worden.
Treitz beschreibt ein Gerät, das er und seine Kollegen einmal zu Demonstrationszwecken gebaut haben - und es ähnelt verblüffend der Steorn-Demonstrationsanordnung: Ein Plexiglasrad, an dem Magneten befestigt sind, mit weiteren Magneten an der Aufhängung. In Wahrheit war einer der Magneten ein Elektromagnet, der bei jeder Umdrehung im richtigen Moment heimlich eingeschaltet wurde und so einen Impuls abgab, der an einem der anderen Magneten ausreichend zog, um das Rad in Bewegung zu halten. Das Gerät war dazu gedacht, Studenten und Schülern eine Denkaufgabe zu stellen - und sie wachsam gegenüber Perpetuum-Mobile-Scharlatanerie zu machen.
Völlig ins Reich des Unmöglichen verweisen will Treitz die Behauptungen der Iren dennoch nicht. Wenn jemand einen tatsächlich neuen Ansatz für das Perpetuum-Mobile-Problem fände, müsse man sich das ernsthaft ansehen, findet er. "Es ist immer denkbar, dass man noch Energie entdeckt, die bislang unbekannt war", sagt der Physiker, und verweist auf die Atomenergie. Das Steorn tatsächlich etwas Vergleichbares entdeckt hat, hält er für mehr als fraglich, aber: "Vor 150 Jahren hätte man gesagt, Fernsehen und Flugzeuge sind Utopien - und das Perpetuum Mobile ist machbar."
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