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Steinzeit-Segler "Sorry, Kolumbus!"

2. Teil: Navi, Funk und Satellitentelefon - und elf Menschen in zwei schwimmenden Baumhäusern

Elf Leute sind an Bord, neun Männer, zwei Frauen. Die meisten sind Deutsche: aus Chemnitz, Gotha, Dresden, Bad Hindelang, München. José Valmana, ein Exilkubaner aus Miami, ist hauptberuflich Immobilienmakler. Fotograf Tormod Granheim kommt aus Oslo. Der Zwölfte im Bunde, der bolivianische Bootsbauer Fermin Limachi, dessen Familie am Titicacasee einst schon Heyerdahls Schiffe zimmerte, muss leider an Land bleiben: Er hat kein Visum für Spanien bekommen.

Die Besatzung wird in zwei winzigen Hütten nächtigen, am Rumpf festgezurrt, schwimmenden Baumhäusern gleich. Eng verstaut sind darin Trinkwassercontainer, Lebensmittel für 100 Tage, Kühltaschen, Trockenmilch, Schlafsäcke, Feuerlöscher, Schwimmwesten, Medikamente und viele, viele Rollen mit Ersatzseilen. Am Rumpf hängt das Plakat eines der Sponsoren, des Chemnitzer Werkzeughandels Eylert.

"Sie folgten den Spuren der Götter"

Denn ganz so vorsintflutlich geht es bei all dem natürlich nicht zu. Wer zum Beispiel mal muss, kriecht in ein Kabuff, in dem sich ein Campingklo verbirgt. Die "Abora III" verfügt über ein GPS-Navigationssystem, VHF-Funk und Satellitentelefon. Ihre Position kann live im Internet mitverfolgt werden. Nervös sind sie trotzdem. Am Abend hätten sie "etwas gefeiert", sagt Görlitz zwar, er habe danach "geschlafen wie eine ägyptische Mumie". Doch seine Freundin, die Studentin Sabrina Lorenz, 26, gesteht "Nervenflattern" ein. "Wir hoffen, dass alles gut geht", sagt Bongotrommlerin Usbeck, die enge Freundschaften zur Crew geknüpft hat. Ob sie nicht mitsegeln wolle? "Um Gottes Willen!", ruft sie und wedelt mit einem Prospekt von Gotha.

Dank der Reporter, die sich auf dem Ponton balgen, verzögert sich der Abschied. Die Aboraner posieren für die Fotografen, fotografieren sich gegenseitig, fotografieren die Fotografen. Görlitz liest eine kleine Ansprache vom Blatt. Der Gesandte des Explorers Clubs zeigt sich "entzückt". Juwelier Lorenz sieht eine "Welt ohne Mauern" und wünscht kosmopolitisch "bon journey".

Ein Langhaariger namens Sasha, der die Gothaer Ur-Musikanten auf einer E-Gitarre begleitet, preist poetisch die prähistorische Seele: "Sie waren mit den Sternen verheiratet", sagt er. "Sie folgten den Spuren der Götter." Doch keiner hört mehr hin.

Von Kannibalen gefressen

Ein letztes Mal umarmen sie ihre Verwandten. Tränen fließen. "Der Abschied war schon ein bisschen traurig", sagt Student Markus Uhlig, 23, später, als er an Bord klettert. "Aber das ist jetzt gegessen. Jetzt geht's los!" Görlitz, das Logbuch in der Hand, scheucht die letzten Reporter von Deck: "Lasst uns die ganzen Landratten runterschmeißen und ablegen!"

Langsam zieht der mächtige Schlepper "Robert E. Hayes" die "Abora III" in den Hudson. Ihre bunten Länderwimpel flattern in der Brise. "Wir sehen uns!", ruft Görlitz winkend. Noch eine gute Stunde kreuzt die "Abora III" für die Fotografen im Fluss herum. Dann geht es an der Freiheitsstatue vorbei hinaus auf hohe See. Um kurz nach 12 Uhr Ortszeit fährt sie unter der gigantischen Verrazano-Hängebrücke hindurch, dem Tor New Yorks zum Atlantik.

Deren Namensgeber, der Italiener Giovanni da Verrazzano, war 1524 der erste Neuzeit-Europäer, der per Schiff Nordamerikas Ostküste erkundete. 1524 kreuzte er unter anderem vor dem heutigen New York und nahm dann eine ganz ähnliche Route zurück, wie jene der Abenteurer von heute. Verrazzano erreichte Europa. Doch kaum vier Jahre später wurde er - hier widersprechen sich die Berichte - von Ureinwohnern auf den karibischen Antilleninseln getötet oder aber von den Spaniern als Pirat gehenkt, in Cádiz.

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