Aus Kuala Lumpur berichtet Michael Lenz
"Wir brauchen dringend gute Instrumente und Methoden, um präzise die Morbidität und Mortalität einschätzen zu können, die durch den Klimawandel verursacht wird", sagt Alexander von Hildebrand, Umweltberater der WHO. In Singapur sei immerhin eine Korrelation zwischen dem Temperaturanstieg und Dengue-Fällen (plus 1,5 Grad Celsius von 1978 bis 1998 bei gleichzeitiger Verzehnfachung von Dengue) beobachtet worden, berichtete Shigeru Omi, WHO-Direktor für die westpazifische Region. "Dringlichkeit zum Handeln besteht jetzt sofort", sagte von Hildebrand und forderte sofortiges Handeln. Durchaus angreifbar sagte er: Auf hundertprozentige wissenschaftliche Beweise für den Einfluss des Klimawandels auf die Gesundheit zu warten, wäre unverantwortlich.
"Die Hauptkiller weltweit sind klimasensibel", sagte WHO-Koordinator Corvalan. Durchfallerkrankungen töteten weltweit 1,8 Millionen Menschen pro Jahr. Die Hauptbetroffenen seien Kinder. An Malaria stürben 1,1 Millionen Menschen jährlich. Gar 3,7 Millionen Menschen verlören jedes Jahr durch Unterernährung ihr Leben. Diese Situation werde sich durch den Klimawandel drastisch verschärfen, warnte Corvalan und nannte ein Beispiel: "In Peru hat der Temperaturanstieg um ein Grad zu einer Zunahme der Durchfallerkrankungen um acht Prozent geführt."
Armut und überlastete Gesundheitssysteme
Die Liste der Krankheiten ist lang, von denen Experten fürchten, dass die globale Erwärmung ihre Ausbreitung befördern kann. So meldet das Düsseldorfer Zentrum für Reisemedizin, ein privates Institut des Fachverlags Thieme, dass Bücher und Newsletter zur Reise- und Tropenmedizin herausgibt: In Ostafrika hat die Höhenmalaria die 2000-Meter-Grenze überschritten. Die WHO berichtet von Fällen der Tropenkrankheit im bisher malariafreien Karibikstaat Jamaika, im Himalaya-Königreich Bhutan und in Papua Neuguinea, wo die Malaria bislang auch nicht verbreitet war.
Unter der Last der neuer Krankheiten könnten die schon heute überlasteten Gesundheitssysteme der meisten asiatischen Länder völlig zusammenbrechen, warnt von Hildebrand: "Die sind darauf nicht vorbereitet." Bereits jetzt ist die gesundheitliche Situation der großen Mehrheit der gut 1,7 Milliarden Menschen in Südostasien katastrophal. In Asien, Heimat von 60 Prozent der Armen der Welt, haben insgesamt eine Milliarde Menschen keinen Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen. Hinzu, so die Experten in Kuala Lumpur, kommen Krankheiten wie Aids und die immer noch nicht gebannte Gefahr einer Vogelgrippe-Epidemie unter Menschen - zusätzlich zu Dengue, das gerade die Schlagzeilen bestimmt.
WHO-Mann Hildebrand betont aber auch, dass Touristen trotz des Denguefiebers sich weiterhin unbesorgt an die Strände von Phuket, Langkawi oder Bali wagen können: "Bitte, kommt. Aber ins Reisegepäck gehört ein Moskitoabwehrmittel."
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