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Stammzellgesetz Scheidender Ethikrat hinterlässt Streitpapier

2. Teil: Radikale Schlussfolgerung: Sollen künftig doch auch Embryonen aus Deutschland benutzt werden - konsequenterweise?

Tatsächlich fragen die Experten: Wäre es bei einer neuen Grundsatzdebatte nicht "doch konsequent", zu prüfen, ob auch "die in Deutschland verfügbaren, nicht mehr für Fortpflanzungszwecke benötigten Embryonen und befruchteten Eizellen im Vorkernstadium für die Forschung zu nutzen"? Das wäre eine radikale Abkehr von der bisherigen Gesetzeslage, im Inland auf einen eng definierten Lebensschutz zu pochen - und sich von der Entwicklung im Ausland abzuschotten.

Dass in diesem Gedankenspiel politischer Sprengstoff steckt, zeigt alleine ein Zusatzvotum von drei Mitgliedern, die sich zwar mit der Neunergruppe gegen die Position der Vierzehn gestellt hatte - jeder Lockerung aber ablehnend gegenüber stehen. "Das Bekenntnis zu Menschenwürde und Lebensschutz besitzt nur noch deklaratorischen Wert, wenn es jederzeit suspendiert werden kann", schreiben der Augsburger Weihbischof Anton Losinger, der Münchner Bioethiker Peter Radtke und der Freiburger Theologe Eberhard Schockenhoff.

Nur Einzelstimme für einen Kuschel-Kompromis

Die kontroversen Positionen innerhalb des Expertengremiums vermitteln eine Ahnung davon, wie hitzig die Debatte im Herbst werden wird, wenn Parlamentarier eine neue Gesetzesvorlage in den Bundestag einbringen wollen - und mit dem Deutschen Ethikrat ein neues Gremium seine Arbeit aufgenommen hat. Unverändert, soviel ist schon jetzt klar, wird die viel kritisierte Regelung nicht bleiben.

Für den politisch wohl am ehesten mehrheitsfähigen Kompromiss zur jetzigen Stichtagsregelung hat sich im alten Ethikrat indes nur der evangelische Theologe Hermann Barth aus Hannover ausgesprochen - per Einzelvotum. Er regt an, den Stichtag selbst auf ein zurückliegendes, jüngeres Datum zu verschieben und damit "die Tür zur Stammzellforschung wieder einen Spalt weit zu öffnen". Dies ähnelt im Kern einem Vorstoß des SPD-Bioethikexperten René Röspel von Anfang Juli. Röspel wird auch dem parlamentarischen Beirat des neuen Deutschen Ethikrats angehören. Auch für gegenüber der Embryonenforschung aufgeschlossene Unions-Abgeordnete gilt ein solcher Kompromiss als akzeptabel. Selbst Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) hatte kürzlich ein Einlenken angedeutet. Die katholische Kirche hingegen hatte auf Röspels Vorschlag mit wütenden Protesten reagiert.

stx

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